Privatschule als Alternative

In der Region Dahmeland-Fläming besuchen 5,5 Prozent aller Schüler eine private Schule als Alternative zu den öffentlichen Angeboten. Die Beweggründe für die Eltern, freiwillig Schulgeld zu zahlen, sind meistens folgende: Kleine Klassen, wenig Unterrichtsausfall und innovative Unterrichtsprojekte.

Genau 142 Schüler besuchen im aktuellen Schuljahr die evangelische Grundschule Jüterbog, diese Zahl kann Sekretärin Ute Liebelt wie aus der Pistole geschossen nennen. Mehr geht auch nicht. „Wir sind voll“, sagt sie über die Privatschule, in der Kinder bis zur sechsten Klasse einzügig unterrichtet werden. Ginge es allein nach den Interessenten, dann müsste die Schule noch mehr Kinder aufnehmen. Denn ein Besuch der evangelischen Grundschule ist bei den Eltern gefragt, trotz Schulgelds. Davon können auch die anderen Privatschulen in der Region berichten.

In der Region Dahmeland-Fläming gibt es 14 Privatschulen, eine davon ist eine Einrichtung der Jugendhilfe für traumatisierte Jugendliche – die Jean-Itard-Ersatzschule in Heidesee. Laut Brandenburger Bildungsministerium besuchen in der Region 1876 von 34 289 Schülern eine private Schule, das sind knapp 5,5 Prozent der Schüler. Landesweit gehen 10,8 Prozent aller Brandenburger Schüler auf eine Privatschule. Diese Zahlen blieben in den vergangenen drei Jahren stabil, ein Trend für oder gegen staatliche Schulen ist somit nicht zu erkennen.

Hartz-IV-Empfänger bis Gutverdiener
Als möglichen Grund dafür, dass Eltern freiwillig ein vom Einkommen abhängiges Schulgeld zahlen, nennt Ute Liebelt von der evangelischen Grundschule Jüterbog vor allem die familiäre Atmosphäre. Das enge Miteinander sei vielen wichtiger als die christliche Ausrichtung, nicht alle Kinder seien konfessionell gebunden. „Hier lernen die Schüler gepflegte Umgangsformen, außerdem gehen die Lehrer gemeinsam mit den Kindern essen“, sagt sie. Das Tragen der Schulkleidung, soll das Miteinander weiter stärken und soziale Unterschiede verdrängen.

Die evangelische Grundschule in Jüterbog besuchen Kinder von Hartz-IV-Empfängern wie von Gutverdienern. Die Eltern zahlen für das erste Kind zwischen zehn Euro und 145 Euro pro Monat. Die soziale Mischung sei auch in der Seeoberschule und im Freien Gymnasium Rangsdorf gegeben, berichtet Seeschulen-Geschäftsführer und Internatsleiter Christoph Schmidt. An seiner Schule mit dem Schwerpunkt Natur und Tiere könne das Schulgeld bei gutem Einkommen sogar 430 Euro monatlich betragen.

Eine Stunde Schulweg normal
„Den Eltern ist es das wert“, weiß Schmidt. Für sie seien besonders die verlässlichen Betreuungszeiten, kleine Klassen und innovative Unterrichtskonzepte wie fächerübergreifender Unterricht entscheidende Faktoren. „Die Brandenburger Schullandschaft ist ganz unterschiedlich aufgestellt“, sagt Schmidt. „Es gibt hervorragende, staatliche Schulen – aber es gibt auch die mit schlechtem Ruf, häufigem Unterrichtsausfall und schlechter Ausstattung.“ Wer in der Nähe solcher Schulen wohne, entscheide sich häufiger für eine Privatschule. „Eine Stunde Schulweg ist für viele unserer Schüler normal“, sagt Schmidt. Sie pendeln aus Berlin wie aus dem Rest des Landkreises.

Auch im Norden Dahme-Spreewalds ist es nach Angaben von Holger Köhler, Geschäftsleitungsmitglied der Privatschulen Villa Elisabeth, besonders das pädagogische Konzept, das Eltern und Schüler anzieht. In den vier Schulen der Villa Elisabeth lernen Schüler nach dem studienpädagogischen Konzept in 100-Minuten-Blöcken, von denen 40 Minuten individuellen Übungen zur Verfügung stehen. In dieser Zeit sollen die Schüler selbst entscheiden, welches Wissen sie noch vertiefen möchten. Dafür gibt es keine Hausaufgaben. „Wir erziehen die Kinder und Jugendlichen zu mehr Eigenständigkeit“, sagt Köhler.

Lehrermangel auch an Privatschulen
Besonders wichtig seien ihm die internationale Ausrichtung – auf dem Gymnasium machen Jugendliche aus Russland, China, Korea und Vietnam ihr Abitur – sowie die soziale Mischung der Schülerschaft. „Wir verstehen uns nicht als Schule der Geldelite“, sagt Köhler. Mit Teil- und Vollstipendium könne das Schulgeld von maximal 350 Euro gedrosselt werden. „Einige unserer Schüler, deren Eltern sich in sozialen Notlagen befinden, müssen gar kein Schulgeld zahlen.“

Ein Problem, das auch an Privatschulen nicht vorbeigeht, ist der Lehrermangel. Da die Lehrer an freien Schulen nicht verbeamtet werden, sind sie bei sicherheitsliebende Pädagogen wenig beliebt. Wie staatliche Schulen müssen sie immer häufiger auf Quereinsteiger zurückgreifen. Dennoch berichten verschiedene freie Träger davon, Lehrer durch ein gutes Gehalt und mehr Freiheiten an sich binden zu können. „Wer sich pädagogisch ausprobieren will und neue Konzepte umsetzen möchte, der kommt zu uns“, sagt Seeschulen-Geschäftsführer Schmidt. 

Von Anja Meyer
in der Märkischen Allegmeinen Zeitung vom 7. September 2017

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