Ministerium lehnt freie Grundschule ab


In der kommenden Woche sollten sieben Erstklässler die neue Grundschule der Seeschule Rangsdorf besuchen. Daraus wird nichts, denn zehn Tage vor Beginn des neuen Schuljahres hat das Bildungsministerium die Errichtung der neuen Schule abgelehnt. Christoph Schmidt, der Geschäftsführer fühlt sich vom Ministerium schlecht beraten.

Aus der für das neue Schuljahr geplanten Eröffnung einer Grundschule der Seeschule Rangsorf wird nichts. Zehn Tage vor Beginn des Schuljahres bekam Christoph Schmidt, der Geschäftsführer der Seeschule vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) das Schreiben mit der Ablehnung. 

„Wir sind frustriert und verunsichert und fühlen uns vor den Kopf gestoßen“, sagt Schmidt. Im Mai waren er und seine Frau Christiane Goltz, die pädagogische Leiterin der Seeschule, noch zu einem Beratungsgespräch beim MBJS in Potsdam. Dort hatte das Ministerium Nachbesserungen am Konzept für die geplante Grundschule gefordert. Die didaktisch-methodische Konzeption mit dem Fokus auf einer tier- und naturgestützten Pädagogik sei den Vertretern der Behörde nicht ausreichend gewesen, zudem habe man mehr Aussagen zur Umsetzung des Ganztagsbetriebs gefordert. All das hätten seine Frau und er in den folgenden Wochen konkretisiert, sagt Christoph Schmidt.

Seeschul-Vertreter fühlten sich zunächst vom Ministerium gut beraten
„Wir fühlten uns gut beraten und hatten den Eindruck, dass unserer Idee grundsätzlich nichts entgegensteht“, erinnert er sich an das Gespräch in Potsdam. Umso verwunderter sei er nach dem nun verschickten Ablehnungsbescheid. Dort wurden ganz andere Gründe genannt, als in dem Beratungsgespräch thematisiert.

Aus Sicht den Ministeriums sei die geplante Grundschule für Kinder mit körperlichen Behinderungen nicht geeignet, da sich einige Räume im Obergeschoss befinden. „Wir haben genug Räume im Erdgeschoss“, sagt Christoph Schmidt. Mängel sah das MBJS auch beim Ganztagsbetrieb. Christoph Schmidt hat jedoch eine andere Vermutung, die sich zwischen den Zeilen des Schreibens liest: „Ich habe das Gefühl, dass freie Schulen in Brandenburg nicht gewünscht sind, sondern eher als störend gesehen werden.“ Er lässt derzeit prüfen, welche rechtlichen Schritte nun möglich sind. Die geplante Eröffnung der Schule ist zunächst abgesagt. Sieben Eltern mussten sich neue Plätze für ihre Erstklässler suchen, auch zwei Lehrerinnen habe man absagen müssen.

Bildungsministerium sieht kein Interesse an neuer Grundschule
Auf Nachfrage begründet das MBJS die Ablehnung mit einem fehlenden besonderen pädagogischen Interesse. Den Vorwurf, man diskriminiere freie Schulen weist Sprecherin Antje Grabley zurück: „Wir sehen Schulen in freier Trägerschaft als Bereicherung für das Bildungssystem.“ In Brandenburg gibt es derzeit 61 freie Grundschulen. Die Befürchtung von Rangsdorfs Bürgermeister Klaus Rocher (FDP), dass in zwei Jahren die bestehenden Grundschulkapazitäten erschöpft sind, teilt das MBJS ebenfalls nicht. Laut Schulentwicklungsplan des Kreises seien die Zahlen in Rangsdorf für die kommenden Jahre stabil. Für die Errichtung einer neuen Grundschule bestehe derzeit „kein Bedarf“, heißt es.

Von Christian Zielke
in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 1. September 2017

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