Rangsdorfer Kinder bauen ihr eigenes Klassenzimmer

Lehmsteine herstellen für ein neues Klassenzimmer, das ist nur eines von vielen modernen Projekten, mit denen die private Rangsdorfer Seeschule das Umweltbewusstsein der Kleinen schärfen will. Geplant ist ein Biohof mit Schafen und Hühner und sogar einen Klassenhund hätte man gerne. Das wird allerdings schwierig.

Vier Teile Hobelspäne, je ein Teil Ton und Stroh, etwas Wasser: Fertig ist die Mischung für die Lehmsteine. Am Sonnabend zeigten die Schüler der Seeschule in Rangsdorf beim jährlichen Umwelttag ihr Können. Die private Schule legt großen Wert auf ökologische Erziehung.

Deutsch-Fachbereichsleiter Arne Born knetete mit seinen Schülern den Teig für die Lehmsteine. Mit ihnen soll ein neues Klassenzimmer auf dem Gelände entstehen, das Projekt ist mit EU-Mitteln gefördert. „Wenn sich mal ein Schüler nicht richtig konzentrieren kann, kommt er zum Kneten,“ sagt Born. 2001 wurde die Seeschule von Christoph Schmidt und Christiane Goltz gegründet. Mit einer siebten und einer achten Klasse lief der Schulbetrieb an, mit 24 Schülern pro Klasse. Inzwischen besuchen 220 Kinder und Jugendliche die Schule, die auch ein wöchentliches Internat bietet und zudem eine Oberschule und ein Gymnasium beherbergt.
Entstehen soll ein richtiger Biobauernhof

Einige Projekte stehen noch an. Ein Bauerngarten ist angelegt, neun Schafe gehören zur Schule. Bald kommen noch Hühner dazu, ein kleiner Biobauernhof soll entstehen. Schon jetzt ernten die Schüler selbst gezogene Gurken oder Obst und stellen Pflaumensaft her. „Wir möchten den Schülern bewusst machen, woher die Lebensmittel kommen“, erklärt Christiane Goltz. „Denn damit ist Arbeit verbunden.“ Geplant ist auch die Eröffnung einer Grundschule, „in der man sich wohlfühlen soll“, so Goltz: „Schule ist ein Lebensort.“ Schließlich lerne man leichter an einem Ort, der einem auch gefällt. Druck möchte sie auf jeden Fall vermeiden. Daher wollen die Gründer alle Schulformen unter einem Dach vereinen, auch einen Kindergarten und einen Hort soll es in Zukunft geben. Die Idee ist es, dass sich die Kinder ohne Stress ihre Schulformen, ihrer Entwicklung entsprechend, aussuchen können.

Auch tiergestützte Pädagogik würde Goltz gerne anbieten, der Antrag liegt dem Bildungsministerium vor. Dann gäbe es einen Klassenhund im Unterricht. Bis dato kamen aber nur Absagen aus Potsdam. Für freie Träger sei es nicht einfach, so die Gründer. „Wir sehen uns als Ergänzung zu den staatlichen Schulen“, sagt Goltz. Auch für das neue Klassenzimmer werden noch einige Steine gebraucht, 2600 insgesamt. Sie werden in ein Fachwerk eingesetzt. Willi Breitkreutz ist Schüler der zehnten Klasse und hilft beim Kneten und Herstellen der Steine, die zum Trocknen an die Sonne gelegt werden. Willi Breitkreutz ist noch neu an der Schule. An der staatlichen Schule kam er nicht so gut zurecht. Es sei nicht einfacher als an der alten Schule, aber es gebe weniger Stress.

Text und Foto: Krischan Orth in der
MAZ | Zossener Rundschau vom 13. Juni 2016

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