Auch „Giganten“ kentern mal

Der Ruder-Juniorenweltmeister Karsten Brodowski besuchte die Seeschule Rangsdorf

Rangsdorf: In diesem Moment hat Karsten Brodowski vielleicht gerade den entscheidenden Wettkampf. DerJunioren Weltmeister des Jahres 2004 im Rudern aus Mahlow nimmt in Köln an den Deutschen Meisterschaften im Einer teil. Wenn er unter die ersten Acht kommt, geht er beim Ruder-Weltcup an den Start, unter anderem in Großbritannien, der Schweiz und Japan. Doch einen Tag vor seinem Aufbruch nach Köln besuchte der 19-Jährige die Ruder-Arbeitsgemeinschaft der Seeschule in Rangsdorf.

„Is‘n ziemlicher Gigant, der hat hundert Pro Ausdauer“, meint bewundernd einer der Schüler, als er den 2,05 Meter großen Leistungssportler kommen sieht. Tassilo will wissen, ob Karsten schon mal Gold gewonnen hat und auf welcher Position er damals im Doppelvierer saß. Der freundliche Hüne gibt zu, dass er mit zwölf, als er zur Sportschule kam, nicht sonderlich ehrgeizig war: „Erst mit 15 habe ich angefangen, mich zusammenzureißen und begriff, dass ich im Herbst und Winter was tun muss, um im Frühjahr fit auf dem Wasser zu sein.“

Jana, eine der fünf Mitglieder der AG Rudern des Privatgymnasiums Seeschule, findet Rudern „ziemlich anstrengend“. Und umgekippt sind sie mit dem Boot auch schon mal. „Seitdem fragen mich, die Jugendlichen jede Woche, ob wir nicht lieber Theorie machen wollen“, schmunzelt AG-Leiterin Antje Fischer. „Das kann selbst mir heute noch passieren, da muss bloß ‚ne extrem ungünstige Welle kommen“, tröstet Brodowski.

Er will sich erkundigen, ob die AG eins der gebrauchten Boote der Potsdamer Ruder-Gesellschaft bekommen kann. Die. Boote der Seeschule sind teilweise leck. Das tägliche Trainingspensum vor den Deutschen Meisterschaften nötigt den Jugendlichen Respekt ab. Seit September hat er 700 Stunden gerudert, im Kraftraum geschwitzt, ist Rad gefahren und gelaufen, auch samstags und sonntags. „Kann man denn davon leben? Der Weltmeister im Bodybuilding hat sieben Millionen gekriegt“, will einer wissen. Karsten Brodowski muss ihn enttäuschen. Reich geworden sei er bisher nicht. „Wer durch Sport viel Geld verdienen will, sackt meistens leistungsmäßig ab. Ich mach das, weil ich Spaß dran hab“, sagt er. Und weil er natürlich einer der Besten sein und in Japan an den Start gehen will.

Gudrun Schneck
Märkische Allgemeine Zeitung am 23. April 2005

*Die auf dieser Seite dominierenden männlichen Personenbezeichnungen dienen nur der besseren Lesbarkeit und gelten für beide Geschlechter!