10 Jahre Seeschule = 10 Jahre Erfahrung

Die unten stehenden Seiten beleuchten einige Stationen unseres 10-jährigen Schullebens, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen/Euch Christiane Goltz

Zu unseren lieb gewonnenen Traditionen gehören: die jahrgangsübergreifende Skireise, zwei Tage der offenen Tür im Winter und im Sommer, unser Frühjahrsputz mit allen Eltern und Schülern* (Subbotnik), die Mottowoche der Abiturienten, der Abistreich und der Abiball, das jahrgangsübergreifende Sailtraining auf einem traditionellen Segelschiff, der Grillabend mit den Internatseltern und -schülern, die feierliche Verabschiedung der 10. Klassen, unser Schulfest, die Projektfahrten und die Prüfungsvorbereitungswoche vor den Herbstferien, das Adventscafé in den Internatshäusern und unser feierlicher Adventsabend.


1936 – 1945

Der Aeroclub wird im Zuge der Olympischen Spiele gebaut. Zu dem Gelände gehört ein Flugplatz und die Bückerwerke, die Leichtflugzeuge herstellen. Von hier startet die Kunstfliegerstaffel der Olympischen Spiele. Der Aeroclub bewirtet und beherbergt Kunst- und Wasserflugzeugflieger. Unter ihnen u. a. Heinz Rühmann und Beate Köstlin, die hier ihren späteren Ehemann, den Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse, kennen lernt. Vom Rangsdorfer See aus starten Wasserflugzeuge, die bis nach New York fliegen. 1939 entsteht auf dem Gelände die Reichsfliegerschule. Am 20. Juli 1944 startet Graf Schenk von Stauffenberg vom Flugplatz in Rangsdorf zum Hitlerattentat und landet am selben Tag wieder am gleichen Ort.

[Zur Geschichte des Aero-Clubs]


1945 – 1994

Auf dem Gelände wird eine sowjetische Fernmelde­einheit stationiert. Unzählige Baracken und Unterstände entstehen auf dem Gelände des russischen Stützpunktes und erweitern die bestehenden Gebäude. In den ehemaligen Hallen der Bückerwerke werden die Hubschrauber der Westgruppe gewartet. Die ersten Offiziersfamilien leben in grünen Holzhäusern im Wald. Für die anderen russischen Familien werden fünfgeschossige Plattenbauten errichtet. Die Kinder der russischen Offiziere erhalten eine Grundschule mit Turnhalle.
Von 1994 bis 2001 liegt das Gelände brach.


1997 – 2001

Die Seeschule, eine Ganztagsschule mit Wochen­internat, entsteht in den Köpfen ihrer Gründungsmütter und -väter, zu denen von Anfang an Christiane Goltz und Christoph Schmidt gehören.
Mehrere Orte und Gebäude am Stadtrand von Berlin kommen in Frage und werden als Schulstandort wieder verworfen. 1998 wird das Gelände zum ersten Mal besichtigt, 1999 fällt die Entscheidung für das 16 ha große See- und Waldgrundstück in Rangsdorf rund um den Aeroclub. Das Gelände wird von einer Kommandit­gesellschaft gekauft und entwickelt, der Schulträgerverein der Seeschule pachtet das Gelände.


2001

Der Bau von Internatsgebäuden und die Renovierung der Grundschule der sowjetischen Garnison beginnen. Es entstehen das Turnhallengebäude und die Internatshäuser I bis III, leider werden die Gebäude nicht rechtzeitig fertig. Die Seeschule startet am 1.9.2001 in einer Notunterkunft in der Friedensallee.
24 Schüler lernen in einer 7. und einer 8. Klasse, sie werden von sechs Lehrern unterrichtet. Nach den Herbstferien im November ziehen Lehrer* und Schüler* endlich auf dem Seeschulgelände ein. Das Turnhallengebäude wird in Betrieb genommen und endlich können auch die vier Internatsschüler­Innen Haus I beziehen. Den Internatsdienst teilen sich Tag und Nacht die Internats- und Schulleitung sowie zwei Lehrer.


2002

Die kleine Seeschulfamilie wächst. Zwei neue 7. Klassen werden aufgenommen. In den Osterferien werden erstmalig nicht benötige Räume in Schule und Internat für Ferienkurse vermietet. Im zweiten Schuljahr besuchen schon 66 SchülerInnen, davon leben 13 im Internat, die Schule. Das Internat wird erweitert und ist nun auch eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Internatsbetreuer und -leitung werden eingestellt. Das erste Schuljahr vergeht wie im Flug und wird mit einer Projektfahrt im Juni 2002 auf der Insel Usedom beendet.
Die Tierhaltungs-AG nimmt unter der Leitung von Dr. Lerbs ihre Arbeit auf. Fünf Skudden Schafe „mähen“ seitdem die Rasenflächen der Seeschule. Im Frühjahr gestalten LehrerInnen und SchülerInnen innerhalb einer Projektwoche die Außenanlagen der Internatsgebäude und legen den ersten Fußballplatz an.
Das neue Schuljahr beginnt mit einer Kennenlernwanderung nach Mellensee und einem Sommerfest, bei dem der unrenovierte Aeroclubsaal als Tanzfläche genutzt wird. Auch die Ausstattung der Seeschule wird mit 14 neuen Computern erweitert. Im Herbst findet die erste Projektreise Segeln mit fünf Schülern auf Mallorca statt.


2003

Da Schule und Internat weiter wachsen, werden neue Klassenräume benötigt. Das Internat bezieht nun auch Haus III. Doch der Aeroclub ist noch eine Bauruine und somit fehlen Klassenräume. Diese werden in Containern auf dem jetzigen Sportplatz errichtet. Hinter dem Sportplatz werden die fünfgeschossigen Plattenbauten abgerissen. Die schülernahe Pädagogik wird weiterentwickelt. Bildungsminister Steffen Reiche besucht die Schule und lobt das pädagogische Konzept.
In den Projektwochen werden im Jahr 2003 der Zeitstrahl im Turnhallengebäude und die Totempfähle am Sportplatz erstellt. Der See wird von Munition und Müll beräumt und ein neuer Steg gebaut. Die Segel- und Ruder-AG haben nun beste Bedingungen.


2004

Im November 2004 wird der Aeroclub feierlich eingeweiht. Dadurch stehen nun eine große Mensa mit Ausgabeküche, weitere Fachräume für Physik, Chemie und Informatik, eine Segelwerkstatt und ein Kunstraum sowie zusätzliche Klassenräume, Büros und ein großes Lehrerzimmer zur Verfügung.
Mit der Einstellung von Dr. Eunan Tobin beginnt an der Seeschule die Tradition der feierlichen Adventsabende, der Musicals und der Theater­pädagogik. Zum ersten Mal hat die Seeschule eine Oberstufe mit 13 Schülern im 11. Jahrgang.
Die Oberstufenschüler der Seeschule besuchen bis 2008 Leistungskurse am Fontane Gymnasium. Die SchülerInnen des Fontane Gymnasiums belegen an der Seeschule einen Spanischkurs.
Der Förderverein der Seeschule gründet sich und unterstützt tatkräftig die pädagogische Entwicklung. Mit Hilfe des Fördervereins wird u. a. der Sportplatz gebaut, die Musicals und eine Theaterbühne finanziert.
Zu den Höhepunkten des Unterrichts zählt ein Geschichtsprojekttag, bei dem die Schüler den Zeitzeugen Sally Perell interviewen, der das Buch „Ich war der Hitlerjunge Salomon“ geschrieben hat.


2005

Nun besuchen schon 145 SchülerInnen die Seeschule, davon leben 35 im Internat. Die Internatsschüler­Innen freuen sich über den Einzug in das Haus VI. Immer zwei Internatsbetreuer sind nun für ein Haus zuständig und begleiten ihre SchülerInnen durch den Nachmittag mit Lernzeit, AG-Angeboten und gemeinsamen Mahlzeiten sowie am Abend mit Freizeitangeboten. Alle freuen sich darüber, dass im Februar das Kinogebäude mit acht neuen Klassenräumen bezogen wird und die Container – im Winter kalt, im Sommer warm – endlich abgebaut werden. Für die Internatsschüler wird durch Hausmeister, Schüler und Betreuer im Keller des Aeroclubs ein Clubraum ausgebaut, der das Freizeitangebot nun um Billard, Kicker und eine ordentliche Musikanlage erweitert.


2006

Nach einem Jahr Probezeit führen die SchülerInnen das erste selbst geschriebene und komponierte Musical „Vom Sande verschüttet“ im Schloss Diedersdorf auf.
Nach vielen projektorientierten Unterrichtsein­heiten und -wochen wird der offene Fachunterricht (OFU) an der Seeschule entwickelt und eingeführt. Der OFU ist eine projektorientierte Unterrichtsmethode, in der SchülerInnen gemeinsam mit ihren LehrerInnen Unterrichtsprojekte selbstständig planen, durchführen und präsentieren.
In diesem Jahr nimmt zum ersten Mal ein Schüler der Seeschule an dem Projekt „High Seas High School“ teil, in dem SchülerInnen der 11. Klasse sieben Monate auf dem Segelschiff „Thor Heyerdahl“ nach Südamerika segeln und an Bord Unterricht erhalten. Für viele schließt sich damit ein Kreis, denn einige der Initiatoren und Freunde der Seeschule haben sich bei diesem Projekt kennen gelernt.
In das Internatsgebäude Haus V zieht der Waldorfkindergarten ein und wird drei Jahre später von der „KitaLino“ abgelöst. In den Sommerferien ist erstmalig das Goethe-Institut mit einem dreiwöchigen Sprachkurs für Jugendliche aus aller Welt bei uns zu Gast. Diese Zusammenarbeit hat sich bis heute erfolgreich fortgesetzt.


2007

Im Schuljahr 2006/07 fühlen sich die Seeschule und das Internat nun „vollständig“, da zum ersten Mal auf das Abitur hingearbeitet wird. Zweizügig lernen die SchülerInnen nun in den Klassen 7 bis 13. Im Juni legen zehn SchülerInnen das Abitur ab. In Internat und Schule wird nach den Jahren des Aufbaus zum ersten Mal Abschied gefeiert. Die 12.-Klässler verabschieden sich aus dem Schuljahr mit einem im DS-Kurs erarbeiteten Musical kurz vor den Sommerferien. Alle freuen sich über die Fertigstellung des Sport­platzes, der 60m-Tartanbahn mit Weitsprunggrube und des Beachvolleyballfeldes, die nicht nur während des Sportunterrichtes, sondern auch in Freistunden und während der Internatszeit am Nachmittag und Abend vielseitig genutzt werden.


2008

Im diesem Jahr finden neben dem OFU weitere spannende Unterrichtsprojekte in der Sekundarstufe I und II statt: z. B. eine französische Autorenlesung im Schloss Genshagen, „Ameisen erobern den Unterricht“ im Bereich der Informatik, die Theateraufführung „Maria Stuart“ begeistert die Zuschauer und im Geographieunterricht arbeiten die SchülerInnen mit der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ zusammen. Das Musical „Vanitas“ stellt einen Höhepunkt des Schuljahres dar. Die komplizierte Geschichte, in der es um Liebe, Tod und Vampire geht, wird erneut von den SchülerInnen selbst geschrieben und komponiert.


2009

Die verfallenen grünen Holzhäuser, in denen einmal die russischen Offiziersfamilien gelebt haben, werden in diesem Jahr abgerissen und der Wald erobert schnell die leer gewordenen Flächen zurück. Der sehr kreative Abiturjahrgang verabschiedet sich mit dem Theaterprojekt „Vergeude nie deine Zeit“ und einer Mottowoche, die alle anderen in der Schule täglich in Staunen versetzt.
Der Offene Fachunterricht (OFU) wird als zeitgemäße Unterrichtsmethode von SchülerInnen und LehrerInnen an der Universität Potsdam vorgestellt. Die Schülerinsel steht den Schülern in diesem Jahr zum ersten Mal zur Verfügung. Hier erhalten Schüler, Lehrer und Eltern in schwierigen Lebensphasen Unterstützung. Im Sommer beginnt die Kooperation mit der therapeutischen Einrichtung Gutsschloss Blossin.
Der 9. November ist ein Projekttag, an dem die Schüler u. a. ein Graffiti-Projekt zum Mauerfall präsentieren. In den Sommerferien haben wir jetzt neben dem Goethe-Institut auch die Deutsche Schüler Akademie zu Gast, die bei uns schulformübergreifende Kurse für Schüler der 9. Klasse aus Berlin und Brandenburg durchführt.


2010

Im Sommer 2010 öffnet die Seeoberschule mit einem praxisorientierten Konzept ihre Tore. In den Unterricht werden der Garten, eine Holzwerkstatt und die Tierhaltung eingebunden. Die Unterrichtsmethode des OFU wird in der Oberschule in allen Fächern umgesetzt. Zudem werden die Profilkurse eingeführt, in denen die SchülerInnen der Sekundarstufe I drei Stunden in der Woche ganzheitlich in den kreativen Bereichen Kunst, Theater oder Musik, beim Volleyball oder Fußball in Form von Aufführungen und Sportturnieren gefordert werden. Drei Theaterprojekte, das Forumtheater des 11. Jahrgangs, „Wer zur Hölle ist Mephisto“ des 12. Jahrgangs und „Let me tell you“ des 13. Jahrgangs lösen bei den Zuschauern Begeisterung aus. Im Herbst wird im Keller des Aeroclubs ein moderner Fitnessraum zur Ergänzung des Sportangebots eingerichtet.


2011

In diesem Jahr besuchen 238 Schüler die Seeschule. 50 von ihnen leben im Internat. Das Projekt „Frauen am Ball“ wird in den 7. Klassen im Unterricht und auf dem Sportplatz mit viel Freude durchgeführt. Im Musical „Veritas“ arbeitet fast die Hälfte der gesamten Schülerschaft mit und überzeugt mit einer hervorragenden Aufführung. Die Theaterprojekte der Jahrgänge 13 und 11 „Klassenkampf im Kriegsgebiet“ sowie „Austausch“ stellen erste Höhepunkte im Schuljahr dar.   

Text: Christiane Goltz


*Die auf dieser Seite dominierenden männlichen Personenbezeichnungen dienen nur der besseren Lesbarkeit und gelten für beide Geschlechter!