Der Deutschfachbereich unseres Gymnasiums plagt, wie alle Deutschfachbereiche jeglicher Gymnasien seit Generationen, die Gymnasiasten mit Literatur, die keiner, wirklich keiner, nie, nie, nie und nimmer freiwillig lesen würde, jedenfalls gäbe niemand, abgesehen von den paar Verrückten, die sich „einschleimen“ wollen, zu, dass er/sie (bei uns meistens „er“, wir haben in manchen Klassen nur „Quotenmädchen“) tatsächlich heimlich, zuweilen auch unheimlich, Klassiker liest, also so richtig Schwieriges, von früher und weit her oder von heute und um die Ecke und zum „Um-die-Ecke-Denken“ und dass ihm/ihr das auch noch gefällt, bitte mehr davon, oder noch schlimmer: er/sie Gefallen gefunden hat, am „Erzwungen-Gelesenen“ und am „Sich-Rumplagen“ mit eigenen Gedanken und deren Schriftwerdung – also, was soll’s, ein ganz normaler Deutschfachbereich eben…
Anmerkung der Verfasserin:
Für alle, die bei der Vorstellung eines gymnasialen Fachbereiches nicht mit einem humoristischen Text gerechnet hätten, sei hier gesagt:
Wir sind toll!
Und das meinen wir auch so, denn auch diejenigen, die sich zu Beginn ihrer gymnasialen Laufbahn bei uns eher nicht vorstellen können, ein Zentralabitur Deutsch zu bestehen, beweisen überzeugend das Gegenteil und stellen nicht selten fest: Die Abi-Aufgaben waren aber einfacher als unsere Unterrichtsthemen!
Und dann gibt es tatsächlich eine ganze Reihe junger Leute, die nach einigen Deutschstunden meinen: Dass man so viel mit Texten anstellen kann und dass da tatsächlich was zwischen den Zeilen steht, hätte ich gar nicht gedacht!
Und: Ist das etwa selbstverständlich, dass man sich von 250 (in Worten: zweihundertfünfzig) Wörtern beim ersten Aufsatz in 11/1 auf 1500 (in Worten eintausendfünfhundert) Wörter im letzten Aufsatz vor dem Countdown „hocharbeitet“?!
Und dann wäre da noch der Deutschlehrer, der aus seiner Klasse kommt mit den Gedanken: Kreativ sind sie, die jungen Leute, und engagiert, tolle Ideen entwickeln sie und denken können sie – und wer es sich heute noch nicht zutraut, dazu zu gehören, der lernt das bei uns ganz schnell.
Wir sind toll!
Zum Beispiel:
Der Deutsch-Grundkurs der Klasse 11 war sich nach eingehender Beschäftigung mit Fabeln, Parabeln und Anekdoten einig, dass man auch einmal versuchen könne, eine Fabel zu Papier zu bringen.
Hier sind einige der entstandenen Texte. Dichter sind wir deswegen nicht, aber wir fanden sie ganz gelungen.
Wie wäre es, wenn Ihr versucht, Titel und Lehren dazu oder die Texte neu zu formulieren?
Oder schreibt doch selbst eine Fabel!
Ein Tiger, König des Dschungels wanderte umher, seine Macht den anderen Tieren zu demonstrieren. Er war gefürchtet wegen seiner Fresslust und Brutalität. Viele Gefahren gibt es im Dschungel, jedoch keine so gefürchtet wie der Tiger. Auf seiner Runde kam er an einer Gruppe Affen vorbei. Sofort flüchteten alle in die Kronen der Bäume, wo der Tiger sie nicht erreichen konnte. Nur der Außenseiter der Affenbande rannte weg. Der Tiger freute sich über die Dummheit des Affen und jagte ihn durch den Dschungel. Kurz bevor er ihn einholen konnte, sprang der Affe in eine andere Richtung und hatte wieder einen kleinen Vorsprung. Der Tiger rannte dem Affen voller Rage wutentbrannt hinterher. Kurz bevor er zum Sprung ansetzen wollte, machte der Affe einen Satz in die Bäume am Fluss und der Tiger rutschte auf dem feuchten Boden ungebremst in die Fluten. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ein Krokodil ihn erwischte. Beim letzten Atemzug des Tigers spottete der Affe vom Baum: „Du bist nicht die einzige Gefahr hier. Dein Stolz und deine Selbstsicherheit haben dich geblendet.“ Marc Schumann
Es waren einst ein Clownfisch und ein Seestern. Beide spielten als gute Freunde jeden Tag am Grund des Meeres. Eines Tages entdeckte der Clownfisch einen Stiefel und beanspruchte diesen als sein neues Zuhause. Der Seestern meinte jedoch: “Nönönö, dis is meiner, den hab ich damals hier verloren!“ Da fragte der Clownfisch den Seestern, ob er denn früher Stiefel getragen habe, der Seestern bestätigte dies und der dumme Fisch glaubte ihm. Nun hatte der Seestern den Stiefel für sich gewonnen und wollte gerade hinein schwimmen, als eine riesige Muräne daraus hervor schoss, nach ihm schnappte und ihn auffraß.
Der Adler schwebte prunkvoll am blauen Himmel auf der Suche nach Beute. Unter ihm auf dem Feld rannte eine kleine Maus, die der Vogel schon bemerkt hatte. Der König der Lüfte schnellte hinunter um die Maus zu fangen, doch die Maus war flink und erschwerte ihm den Fang. Da rief er: „Willst du denn nicht auch einmal fliegen?“ Die Maus blien überrascht stehen: „Meinst du das ernst?“ Der Adler erwiderte: „Na klar, setz dich in meine Klauen und du wirst für ein paar Minuten die Welt von oben sehen.“ Die Maus war begeistert und setzte sich überzeugt in die Klauen des Adlers. Dieser packte sie fest und fraß sie auf.
In einem Wasserbecken lebten ein Delphin und eine Miesmuschel. Die Miesmuschel war ständig schlecht gelaunt, denn es fiel ihr schwer, sich zu bewegen. Der Delphin hingegen hatte so gute Laune, dass er permanent herumtollte. In einem Gespräch der beiden warnte die Miesmuschel den Delphin, dass zu viel gute Laune noch zu seinem Tode führen werde. Einige Monate später freute der Delphin sich, seinen alten Freund, den Wal, zu treffen. Dabei sprang er einmal zu weit nach vorn und gelangte in ein Becken voller Piranjas, die den Delphin innerhalb von sieben Sekunden auffraßen. Es waren einmal ein Löwe und eine Maus. Der Löwe wohnte in einer großen Höhle, die Maus hauste ebenfalls dort, in Felsvorsprüngen und kleinen Nischen. Jeden Tag, wenn der Löwe von seiner Jagd zurückkehrte, brachte er mindestens eine Malzeit nach hause. Doch er wunderte sich bald, warum er nicht mehr richtig satt wurde. Die Maus hatte sich im Laufe der Zeit viele Ein- und Ausgänge zur Höhle geschaffen und somit jederzeit Verfügung über die Vorräte des Löwen. Der Löwe war stark, groß und mächtig, die Maus hingegen nur schmächtig, klein und schwach. Doch das Leben gehört nicht nur den Stärksten und Mächtigsten, in manchen Situationen genügt es, clever und gerissen zu sein.
Interpretation zu Franz Kafkas „Kleine Fabel“ von einem Schüler des Deutsch-Grundkurses 11:
Die „Kleine Fabel“ von Franz Kafka, welche tatsächlich eine Fabel ist, erzählt von einer Maus und einer Katze. Die Fabel wirkt sehr düster. Sie besteht aus 2 Sätzen. Im ersten beschreibt die Maus ihren Lebensweg. Sie betrachtet zunächst die Welt aus ihrer Sicht: „Zuerst war sie so breit dass ich Angst hatte“. Im Verlauf der Fabel erblickt die Maus ‚Mauern‘ und die Stimmung ändert sich: „war glücklich, dass ich rechts und links in der Ferne Mauern sah.“. Doch schon kurz darauf deutet alles auf ein Ende der Maus: „diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin und dort im Winkel steht die Falle in die ich laufe.“. Doch nicht die Falle ist das Verhängnis der Maus sondern, wie sich im zweiten Satz zeigt, die Katze: „ ‚Du musst nur die Laufrichtung ändern‘, sagte die Katze und fraß sie.“. Diese Fabel wirft einige Fragen auf. Warum lässt sich die Maus so einengen, warum läuft sie weiterhin auf die Falle zu, sogar nachdem sie ebenjene als eine solche erkannt hat. Ich finde es merkwürdig, dass die Maus die Sichtung von Mauern in der Ferne glücklich macht, wo Mauern doch zum Großteil Träger von negativen Assoziationen sind, denn sie symbolisieren eine Grenze, eine ausweglose Situation, Hoffnungslosigkeit und eine Ende. Wenn man jedoch die Maus mit einem Menschen vergleicht, wird einiges klarer. Der Mensch setzt sich Ziele, übernimmt Verantwortung und vor allem grenzt er sich ein. Das heißt, er verhält sich ähnlich wie die Maus, die mit der Eingrenzung ein Ziel gefunden hat und auf dieses zusteuert, auch wenn es ihr Ende bedeutet. Hier zeichnet sich die Starrsinnigkeit der Menschen ab, an einer Richtung fest zu halten statt eine alternative und vielleicht auch sicherere Richtung einzuschlagen. Durch die Kürze der Fabel und die schnell aufeinander folgenden Aussagen scheinen die Ereignisse brutal auf den Leser niederzuschlagen. Dieser Effekt wird verstärkt durch die düstere, einengende Atmosphäre der Fabel. Die Maus findet ihr Ende und bereits von Anfang an ist von Angst und Ziellosigkeit die Rede: „ dass ich Angst hatte“. Die gesamte Fabel ist sehr einfach gehalten, ohne lange Ausschmückungen oder Beschreibungen, was wieder die düstere und ausweglose Atmosphäre verstärkt. Der Leser wird von der brutalen Aussichtslosigkeit der Lage der Maus sozusagen erschlagen. Die Frage, was die Katze in der Fabel bedeutet, bleibt rätselhaft. Sie könnte den Tod, das Ende oder das Schicksal verkörpern. Dies ist jedoch nicht eindeutig zu klären. Auf diesen Aspekt der Fabel möchte ich hier deswegen nicht weiter eingehen und lasse ihn einfach so stehen, ähnlich wie die Maus einfach weiter auf die Falle zu gerannt ist. Auch werde ich der Frage nach der Bedeutung der Fabel hier nicht lange nachgehen sondern möchte nur kurz feststelle: Auf den ersten Blick scheint die Fabel sinnlos, erst wenn man beachtet, dass Franz Kafka ein Existentialist war, der daran glaubte, dass Leben und Tod sinnlos sind, beginnt die Fabel einen Sinn zu bekommen, denn auch der Tod der Maus ist in der ‚kleinen Fabel‘ sinnlos.
Zum Beispiel:
Der Grundkurs Deutsch 12 / 13, der da meint:
Nachdem wir uns stundenlang durch die Lyrik des Barock gekämpft hatten, waren wir dem Wahnsinn so nahe, dass wir uns mit einigen netten Sonetten und anderen Gedichten wehren mussten.
Im folgenden Abschnitt findet Ihr einige unserer Versuche…
Richtiger Spaß wurde daraus aber erst, als wir unsere lyrischen Ergüsse gegenseitig interpretierten…
Probiert’ s doch auch mal!
Po! Dich gibt’s in jeder Form und Größe
Po! Doch nicht jeder steht auf
Po! Denn es kommt an aufs Gewicht
Po! Pass auf, dass ich dich nicht entblöße
Po! Du bist so schön und stramm
Po! Du bist so wohlgeformt
Po! Bist du vom TÜV genormt?
Po! Du bist von Gott gesandt
Po! Ich sehn mich so nach dir
Po! Wie oft musste ich schon warten
Po! Für dich mach ich weite Fahrten
Po! Komm jetzt zu mir!
Po! Auch wenn wir uns mal streiten
Po! Ich will dich ganz für mich allein
Po! Du bist mein Sonnenschein
Po! Wir teilten beste Zeiten!
Ich und Du
Vor langer Zeit
Das Ende schien noch weit
Wir sahen einfach zu
Worte ohne Klang
Trotz Zweisamkeit allein
Wollt immer bei dir sein
Die Nächte endlos lang
Ich vermisse dich so sehr
Mein Herz ist schwer, bin leer
Nur eine Hülle umgibt mich
Als Pflaster dient die Zeit Doch Trost scheint fern - zu weit Du und ich
Schule. Auch bekannt als „Beste Zeit im Leben“ -
Freies Wochenende und hilfsbereite Lehrer
machen das Dasein in der Schule nicht schwerer
und angeblich muss man nicht viel überlegen.
Klausuren gestopft in drei lange Wochen.
Der Lehrer meint: „Ja das geht schon klar!“
Genau – Mathe lernt sich ja auch so wunderbar,
und 21 Tage später kommen wir hüpfend nach Hause gekrochen.
Der Lehrer gibt lächelnd die Klausuren wieder
Und sagt: “Nun machen sie sich mal nicht nieder!
Ich gebe ihnen eine vier Plus.“
Gar nicht umsonst die Arbeit von zehn Wochen,
wir kommen triumphierend nach Hause gekrochen
wissend, ich bin ja doch keine dumme Nuss!
Die Vögel sing’, die Bäume blühn.
Der Schlaf des Winters ist vergangen,
Vergessen nun das kalte Bangen,
Die Welt erstrahlt vom zarten Grün.
Der Lenz ist da in voller Pracht.
Das Leben fängt von neuem an
und zieht den Menschen in seinen Bann.
Man kann es spüren bei Tag und Nacht.
Verschwunden ist des Winters Grau,
der Himmel trägt ein Kleid in Blau,
der Sommer an der Türe lehnt!
Die Lerche schwingt sich in die Luft.
Der Wald erfüllt von Blumenduft.
Ach Frühling, wie hab ich dich ersehnt!
Augen! Die dein Gesicht erstrahlen lassen.
Augen! Der Spiegel deiner Seele
Augen! Die Farbe der Meere
Augen! Die mich mit Wärme erfassen
Augen! Die mit mir sprechen ohne zu hassen.
Augen! Denn sie lieben mit Ehre
Augen! Ohne sie die Antlitz ein anderes wäre.
Augen! Die mich mit deiner Schönheit umfassen.
Augen Nur die Sonne selbst darf sie verpassen
Augen! Denn ihr Strahlen würde vor deinem verblassen!
Gurken und Tomaten,
die schnippel ich jetzt klein,
Oh, das wird richtig fein!
Die hol’ ich aus dem Garten.
Reichlich Obst und auch Gemüse,
viel und bunt wie „Smarties“,
geeignet auch für Parties,
los ab in die Kombüse!
Ein kleines bisschen Sahne,
vielleicht auch ‚ne Banane,
doch was mach ich aus der Saat?
Es wäre toll, wär’ es gesund;
Und kleine Häppchen für den Mund,
Ich hab es… ein Salat!
Mir tut alles so weh!
Durchs Laufen schon allein,
so schmerzhaft ist das Bein,
und auch der große Zeh!
Ich möchte gerne fort!
Erst baden und dann dehnen,
gut für Gelenk und Sehnen,
das Fazit: Sport ist Mord!
Doch muss ich weiter trainieren,
die Muskeln explodieren,
nur ein Tag Training wird nicht reichen!
Warum tu ich mir das an?
Denn eigentlich bringts keinen Fun!
… doch wer schön sein will, muss leiden…





