Rangsdorf | Das Rangsdorf von Gestern hatt in der Fachwelt des Flugzeugbaus und der Sportfliegerei einen Namen, der weit über die Grenzen Deutschlands bekannt war. Vor alle, die Bücker-Flugzeugbau GmbH mit ihren berühmten Maschinen Bü 131 "Jungmann" - später im Ausland oft in Lizenz gebaut - machten den Ort und seinen Flugplatz weltberühmt. Hier fand 1939/40 sogar internationaler Linienflugbetrieb statt.
Doch heute ist das rund 15 Hektar große Areal mit seinen einstigen Werkshallen nur noch ein "Pflegefall". Davon konnten sich am Tag des offenen Denkmals hunderte Besucher überzeugen. Es kamen viele Fans der "Fliegerkunst", aber auch Einwohner, die wie Jochen Held - dessen Vater als Hallenmeister im Werk arbeitete - eine persönliche Beziehung zu diesem Gelände haben. Sonst ist es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wegen ihrer Baufälligkeit dürfen alle Gebäude nur noch von außen in Augenschein genommen werden.
Man muss heute gar nicht so viel Phantasie aufbringen, um sich noch die damalige Schul- und Sportflugzeugproduktion sowie das fliegerische Treiben um den Reichssportflughafen, Werksflugplatz, Verkehrsflughafen und Fliegerhorst vorzustllen. Selbst der Rangsdorfer See wurde von den Piloten als Wasserflughafen genutzt. Neben dem Werk, das hier 1935 seine Produktion aufnahm, hatten sich auch die Reichsschule fpr den Motorflugsport und Deutschlands Haus des Aero-Clubs hier angesiedelt. Letzteres wird jetzt als denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude von der Seeschule Rangsdorf genutzt.
Besonderes Interesse zeigten die Gäste für die einstige rund 10 000 Quadratmeter große Fertigungshalle. Sie zählt zu den seltenen Typen mit Stahlrahmenkonstruktion. Den Tower erlebt man nur noch als Ruine. Trotz der beeinduckenden technischen Vergangenheit müssen alle Hallen noch immer ihr Dasein als Ladenhüter fristen. Ihre denkmalgerechte Instandsetzung würde mehrere Millionen Euro kosten. Auch als Sportstätten könnten sie hergerichtet werden, meinte der Ehrenvorsitzende des Bücker-Fördervereins, Siegfried Wietstruk, während der Führung. Auf seinem T-Shirt sah man das Logo: "Die Legende lebt!"
Anders ging es dem denkmalgeschützten Bücker-Verwaltungsgebäude und der früheren Kantine. Sie wurden dank behutsamer Sanierung zu ansprechenden Wohn- und Atelierräumen gestaltet. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass sich hier auf dem einst schönsten Sportflughafen Deutschlands berühmte Persönlichkeiten tummelten. So Heinz Rühmann, dessen Flugzeug in einem der drei Hangars "parkte", oder die spätere Versandchefin Beathe Uhse, die in Rangsdorf als junge Frau das Fliegen lernte.
Am 20. Juli 1944 - daran erinnert ein Gedenkstein am Privatgymnasium - startete früh Claus Graf Schenk von Stauffenberg zum Flug zur Wolfschanze in Ostpreußen, um dort mit einer Bombe Adolf Hitler zu töten. Am Nachmittag landete die Henkel He 111 wieder mit dem Oberst hier, der zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass das Attentat gescheitert war. Noch am selben Abend wurden er und weitere Angehörige des militärischen Widerstands im Berliner Bendlerblock erschossen.
Nach dem Krieg nutzten eine Hubschrauber-Reparatureinheit und ein Nachrichten-Regiment der Sowjetarmee bis zu ihrem Abzug 1994 das riesige Gelände. Danach herrschte hier Vandalismus. Trotzdem sah der aus Alaska angereiste "Alt-Rangsdorfer" Paul Kopplin, gelernter Interflug-Flugzeugmechaniker und heutiger Boeing-Pilot, "gute Chancen, dass hier in den nächsten zehn Jahren ein Investor gefunden wird". Zur Erinnerung an seinen Aufenthalt in der Heimat kaufte er das Buch "Flugplatz Rangsdorf bei Berlin - Von Rühmann bis Morosow" und besuchte anschließend das Bücker-Luftfahrtmuseum mit seinen zahlreichen Wort- und Bilddokumenten über diese Historie.
