RANGSDORF | "Meine Güte, wie das hier aussah! Von November bis März stapfte man durch den Matsch", erinnert sich Christiane Goltz, die pädagogische Leiterin der Oberschule. Im Herbst 2001 schlug in Rangsdorf die Geburtsstunde des ersten Privatgymnasiums im Landkreis.
Die Seeschule war auch erste Einrichtung auf dem Ex-Militärgelände. Ihre Gründungsmütter und -väter waren Pioniere mit einer Idee im Kopf, Wagemut und kaum Geld: Wolf-Dieter Hasenclever, Ferdinand Schneider, Christiane Goltz, Christopf Schmidt, Michael Wolf, Frank Hamann. Eine Kommanditgesellschaft kaufte und entwickelte das 16 Hektar goße Grundstück, der Schulträgerverein pachtete es.
Christiane Goltz und Internatsleiter Christoph Schmidt sind von Anfang an dabei. Schulleiter Michael Kriegs sagt bewundernd über die Beiden, die übrigens verheiratet sind: "Das sind Mama und Papa Seeschule. Sie brennen für unsere Schule und verwirklichen hier einen Lebenstraum." Der heißt: eine freie Schule mit individueller Förderung der jungen Menschen in einem intakten und anregenden Lernumfeld.
Die Seeschule begann mit 24 Schülern und sechs Lehrern. Jetzt lernen dort 238 Schüler, 50 im Wocheninternat. Es gibt 60 Mitarbeiter. "Wir haben einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro. Was wir investieren, erwirtschaften wir selbst", weist Christoph Schmidt auf die finanzielle Seite hin. Das Elterngeld wurde in den zehn Jahren nur einmal von 390 auf 420 Euro erhöht. In den Sommerferien sorgen Gäste wie das Goethe-Institut und die Schüler-Akademie für Mieteinahmen. Der Trägerverein Seeschule Rangsdorf, in dem auch engagierte Eltern sind, kann dem Grundstückseigentümer "Freies Internat und Gymnasium Rangsdorf GmbH & Co KG" pünktlich die Pacht zahlen und obendrein die Schule besser ausstatten.
Ihre größte Krise musste die Schule zwischen 2002 und 2004 bestehen. Die Bautätigkeit stockte, weil die Investoren abwarteten. Doch die Schülerzahl stieg weiter, es lohnte zu investieren.
"Jetzt will das Land den freien Schulen den Hahn zu drehen", schimpft Christoph Schmidt. Die freien Schulträger erhalten nächstes Jahr 4,8 Millionen Euro weniger als 2011. Am meisten trifft es die Grund- und Oberschulen. Insofern hat die Seeschule Glück: eine Grundschule gibt es (noch) nicht, die 2010 gegründete Oberschule muss die ersten drei Jahre ohnehin ohne staatliche Zuschüsse überstehen.
Der Traum stirbt also nicht. Christiane Goltz: "Am Anfang waren wir eine kleine Seeschul-Familie, doch auc jetzt kennt noch jeder jeden. Wir kümmern uns gut umeiander." Jüngere haben ältere Patenschüler. Wer leistungsmäßig abrutscht, wird besonders begleitet. Jährlich etwa 20 Schüler sind da, weil das Jugendamt den Schulbesuch finanziell fördert. Ab diesem Schuljahr arbeiten zwei Sozialpädagogen an der Seeschule.
Für die Oberschule gibt es inzwischen eine Warteliste. Die Zukunftspläne reichen vom Bau eines Bewegungsparcours und er Einrichtung einer Holzwerkstatt bis zum Bio-Bauernhof. Auch an ihrem Ziel, die ganze Bildungspalette vom Kindergarten bis zum Abitur anzubieten, hält die Schule fest.
Chronik
- 2001: Start der Seeschule in Baracken an der Friedensallee Rangsdorf, weil das Unterrichtsgebäude nicht fertig ist. Bezug des Seeschulgeländes im November.
- 2002: Seeschule wird auch Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe.
- 2003: Wegen fehlender Räume werden Schulcontainer aufgestellt.
- 2004: Einweihung des denkmalschutzgerecht sanierten Aeroclubs mit Mensa und Unterrichtsräumen, Gründung des Schulfördervereins.
- 2005: Kino-Schulhaus (früher stand dort ein Kino) und Internatshäuser 4,5 und 6 sind fertig.
- 2006: Einführung des offenen Fachunterrichts (ein Tag pro Woche projektbezogener Unterricht)
- 2007: Bildungsministerium lehnt Antrag der Seeschule auf Einrichtung einer Grundschule ab. Fertigstellung des Sportplatzes.
- 2008: Zusammenarbeit mit der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" im Geographieunterricht.
- 2009: Gründung der Schülerinsel (Sozialarbeiter hilft in schwierigen Lebensphasen).
- 2010: Eröffnung der Oberschule an der Seeschule.
