Die Zülowpfleger sind wieder da. In diesem Sommer engagieren sich Jugendliche aus Armenien, China, Deutschland, Finnland, Italien, Spanien, Südkorea, Weißrussland, der Türkei und der Ukraine bei der Pflege des Wanderwegenetzes in und um Rangsdorf.
Rangsdorf | Noch in ihrem Leben hatten sie ein Schäleisen in der Hand. Jetzt entrinden die Jugendlichen damit oder per Spaten Robinienstämme. In zwei Wochen werden sie aus dem Stämmen eine vier mal drei Meter große stabile Aussichtsplattform am Ufer des Rangsdorfer Sees gebaut haben. Es ist das Hauptprojekt beim diesjährigen Internationalen Workcamp in Rangsdorf.
Die Plattform soll nahe der Seeschule auf Pfählen in der Böschung stehen, den ungehinderten Blick auf den See und die Beobachtung der Vögel im Vogelschutzgebiet erleichtern.
Keiner der 17- bis 25-Jährigen jammert über die ungewohnte Arbeit. Sie hatten sich freiwillig für das Camp gemeldet. Vitali (20) aus Kharkow in der Ukraine studiert internationale Ökonomie. "Es ist toll, hier gemeinsam etwas sinnvolles zu machen. Wenn die drei Wochen in Rangsdorf um sind, bleibe ich eine Woche in Berlin und nehme dann noch an einem zweiten Workcamp bei Nürnberg teil. So kommt man rum." Besonders reizvoll findet er "den Spirit von Berlin." Selbst das regnerische Wetter kann seine gute Laune nicht erschüttern. "Zu Hause erschen bis zu 36 Grad, da ist es doch hier angenehm."
Markurs Mohn vom Landschaftpflegeverein lobt die Jugendlichen: "Eine gute Truppe, die haben sich auf Anhieb verstanden." Camp-Sprache ist Englisch. "Es wäre unhöflich, wenn man in seiner Muttersprache redet und die anderen nichts verstehen", sagt Sarah (19) aus Deutschland. Sie studiert Politik und Soziologie. Während alle eifrig und wortlos arbeiten, versichert sie: "So ruhig sind sie nicht immer." Kürzlich wurde bis nachts um vier gefeiert, und vom Berlin-Ausflug am Wochenende kamen einige erst um 7 Uhr zurück. "Wir waren tanzen und in einer Bar. Aber wer nachts um zwei den Zug verpasste, musste lange warten", so Sarah.
Gearbeitet wird täglich vier bis fünf Stunden, dann ist Muße zum Baden im Kiessee, Fußball spielen oder Surfen im Internet beziehungsweise Chatten mit Daheim. Die Gruppe hat sich allerdings darauf geeinigt, die Zeit am Computer auf täglich zwei Stunden zu begrenzen.
Gemeldet waren eigentlich 17 Teilnehmer. Doch eine Weißrussin vermisste ihren Reisepass an der Grenze, eine Deutsche wurde krank.
Die Jugendlichen wohnen im Gutsgebäude Groß Machnow. Jeden Tag bleiben zwei Leute im Quartier und bereiten das Essen für alle zu. Keine leichte Übung für einen italienischen Macho wie Filippo: "Ich kann wirklich nicht kochen, nicht mal Spaghetti", beteuert er. Es wird ihm nichts nützen. Im Camp ist Gleichberechtigungs-Grundprinzip. Am besten an Deutschland findet Filippo übrigens das Bier. Gar nicht gut sei dagegen gewesen, dass er nach 22 Uhr nciht in die Disko durfte. Er ist erst 17. Auf dem Freizeitprogramm standen beziehungsweise stehen noch eine Besichtigung der Großflughafen-Baustelle, ein Besuch in Potsdam-Sanssourci und einer in der Mauer-Gedenkstätte in Berlin.

