RANGSDORF - Die Klasse 7O (O wie Oberschule) an der Seeschule Rangsdorf ist übersichtlich: sechs Jungen und ein Mädchen. Weil erst im Juli 2010 die Genehmigung der Schule vom Bildungsministerium kam, blieb kaum Zeit, das neue Angebot bekannt zu machen. Für die siebte Klasse im nächsten Schuljahr gibt es schon wesentlich mehr Interessenten.
Christiane Goltz, pädagogische Leiterin der Mini-Oberschule, sagt: „Wir rechnen mit 20 Anmeldungen. Zum Ende dieses Schuljahres wird wohl auch unsere jetzige Siebte auf 15 Schüler angewachsen sein.“ Private Schulen haben Konjunktur. Sie punkten mit kleinen Klassen (in der Sekundarstufe I an der Seeschule beträgt die maximale Klassengröße 20 Schüler) und dem Versprechen, dass kein Unterricht ausfällt.
David aus der 7O findet es eigentlich gar nicht toll, dass man bei so wenigen Schülern immer im Blick des Lehrers ist und jeder Blödsinn auffällt. Aber er gibt auch zu: „Hier sitzt man nicht nur in der Bank rum, sondern macht auch viel Praktisches, was Spaß macht.“
Im Fach LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde) haben sich die Kinder zum Beispiel über den Begriff Glück unterhalten. Sie meinten unter anderem, dass die Beschäftigung mit Tieren oder ein gutes Essen glücklich machen. Und probierten es bei einem Besuch im Tierheim Zossen und beim Pizzabacken und -essen aus. Die Küchen in den Internatshäusern dienen auch als Lehrküchen. Eine Werkstatt für praxisorientierten Unterricht wird gerade aufgebaut.
„Alle Schüler konnten ihre Zensuren verbessern“, konstatiert Christiane Goltz. Diesen ß“berblick hat sie schon vor dem Halbjahreszeugnis, weil jedes Kind zweimal pro Halbjahr schriftlich und mündlich eingeschätzt wird.
Nachdem an ihrer früheren Schule oft mehr als 30 Schüler in einer Klasse saßen, empfindet sie die Tätigkeit an der Seeschule viel zielführender: „Wir können hier individuell mit jedem einzelnen Schüler arbeiten.“ Jeden Montag und jeden Freitag nimmt man sich an dieser Ganztagsschule Zeit für je eine Unterrichtsstunde zur Wochenplanung und -auswertung. Beim Klassenrat wird alles auf den Tisch gepackt, was die Schüler bewegt. Außerdem ist Sozialarbeiter Michael Wenzel Anlaufstelle für Probleme von Schülern, Eltern und Lehrern. „Schulinsel“ nennen sie dieses schulsoziologische Angebot.
Jennifer wohnt in Rangsdorf und wollte eigentlich aufs Gymnasium. Aber sie war an der Grundschule offenbar nicht gut genug, um eine Empfehlung dafür zu erhalten. „Mein Opa hat dann vorgeschlagen, dass ich auf die private Seeschule gehe, und er bezahlt den Schulbesuch auch“, erzählt das Mädchen. Es gefällt Jennifer an der Seeschule – außer dass sie sich mehr Mädchen in ihrer Klasse wünscht. Für Christiane Goltz steht fest: „So wie Jennifer jetzt lernt, ist sie auf alle Fälle ein Kandidat fürs Gymnasium.“ Sie bräuchte nach der 10. Klasse nicht einmal die Schule zu wechseln und würde das Abitur nach 13 Schuljahren ablegen.
Kaya ist eigentlich in Berlin zu Hause. Von Montag bis Freitag wohnt er im Internat auf dem Rangsdorfer Schulgelände. Da gelten klare Regeln. So erhalten die Mädchen und Jungen zwar Laptops, mit deren Hilfe sie ihre Hausaufgaben erledigen können, aber Computerspielen im Internat ist tabu. „Jaja, wegen Suchtgefahr und so“ – Kaya verdreht die Augen.
Stattdessen gibt es Freizeitmöglichkeiten, die staatliche Schulen kaum bieten können wie Segeln, Reiten oder Golfen, natürlich auch Chor, Fußball und andere Arbeitsgemeinschaften.
Elias ist in der AG Musical und im Profilkurs Darstellendes Spiel, wo sie gerade ein Vampir-Stück als Schwarzlichttheater proben. „Ich spiele einen rebellischen Vampir“, berichtet er begeistert.
info Morgen von 11 bis 15 Uhr ist Tag der offenen Tür an der Seeschule. Das Schulgeld an der privaten Oberschule beträgt monatlich 390 Euro, mit Internatsunterbringung 1390 Euro. Bei einem Familien-Brutto-Jahreseinkommen unter 38 400 Euro gelten andere Elternbeiträge.

