Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, Gudrun Schneck
22. Dezember 2010
 
Ein Bombenjahr – im wahrsten Wortsinn
Rangsdorf ist attraktiver geworden und wartet nun dringend auf den schrankenlosen Bahnübergang

RANGSDORF - Wettermäßig endet 2010 wie es begann. Im Januar versank Rangsdorf im Schnee. Vorsorglich ließ Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) am 8. Januar die Erwin-Benke-Sporthalle sperren. Weitere 20 Zentimeter Neuschnee waren prophezeiht. Man hatte Angst, dass das Dach einstürzen könnte – was nicht geschah.

Unter der lichtundurchlässigen Eisdecke erstickten die Fische im Rangsdorfer See. Als es im März taute, stank es buchstäblich zum Himmel. Ungefähr 300 Tonnen Fischkadaver wurden geborgen, vor allem Silberkarpfen. Das unerwartete Resultat: Der See ist sauberer denn je.

Die Brandstiftung an einem unbewohnten Holzhaus an der Kurparkallee in der Nacht zum 23. Juli machte die Rangsdorfer aufmerksam auf den einstigen Besitzer, den Rangsdorfer Jan Baczewski. Er vertrat vor allem die polnische Minderheit im preußischen Landtag. Eine Tafel soll künftig an ihn erinnern, doch die Brandstiftung ist weiterhin ungeklärt, ebenso wie die Urheberschaft eines im Sommer entfernten verleumderischen Schildes auf dem Grundstück.

In Erinnerung bleiben die Europatage der Kultur, zu denen Gäste aus Partnerstädten und befreundeten Gemeinden nach Rangsdorf reisten, und zwar aus Fardella in Italien, Mayet in Frankreich, Pieniezno in Polen und Lichtenau in Westfalen. Die thematischen Spaziergänge durch den Ort und das große Fest am See haben Appetit auf mehr gemacht.

Am 21. September gegen 11 Uhr wurde eine 250-Kilo-Bombe deutschen Fabrikats mit russischem Zünder bei Bauarbeiten auf einem Grundstück an der Ahornstraße gefunden. Zwei Tage später mussten alle, die im Sperrkreis von einem Kilometer um die Bombe wohnten oder arbeiteten, die Gefahrenzone verlassen. Der Bahnverkehr wurde zeitweilig eingestellt. Sogar auf die Luftraumfreigabe wartete man wegen der Bombenentschärfung. Rangsdorf war eine Geisterstadt. Und alles klappte reibungslos.

Baulich hat sich im zu Ende gehenden Jahr einiges in Rangsdorf getan. Nach 20 Jahren deutscher Einheit macht der Platz der Deutschen Einheit in Rangsdorf seinem Namen endlich Ehre. Ende Juli wurde dort ein neu gestalteter Park der Begegnung für Jung und Alt freigegeben.Fördermittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung machten es möglich.

Der im Jahre 2008 begonnene Ausbau der Seebadallee wurde im September vollendet. Der Rangsdorfer Ku-Damm erstrahlt im neuen Glanz. Mit der Fertigstellung des Kreisverkehrs, in den auf der einen Seite die Seebadallee und der auf der anderen Seite in die Straße zum Tunnel unter den Gleisen mündet, wird klar: Rangsdorf hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist die Bahn am Zug. Die Rangsdorfer warten dringend auf den Bau der neuen und endlich schrankenlosen Bahnquerung.

Wird es doch noch etwas mit dem ersehnten Sportforum auf dem Bücker-Gelände? Im Oktober stellte sich das Immobilienunternehmen HG Grundbesitz (Münster) im Bauausschuss vor. Es möchte die Rangsdorfer Konversionsfläche kaufen und einen Sportpark für Reiter, Fußballer und Handballer bauen.

Seit September hat Rangsdorf eine neue Schule. Die private Seeschule beherbergt jetzt neben dem Gymnasium noch eine Oberschule.

Auch im kommenden Jahr wird es wohl nicht langweilig in Rangsdorf. Dann ist zum Beispiel Bürgermeisterwahl.