Die Gemeinde Rangsdorf und die Geschichtswerkstatt des Kulturvereins Rangsdorf erinnerten am Samstag mit einer Veranstaltung an Georg Hansen, der zur Widerstandsgruppe um Oberst Schenk von Stauffenberg gehörte. Hansen wohnte zeitweise in Rangsdorf.
RANGSDORF Nach dem missglückten Hitler-Attentat wurden die Verschwörer exekutiert. Deren Frauen kamen in Gefängnisse oder KZs, die unter 15-Jährigen wurden heimlich in ein abgelegenes Heim in Bad Sachsa im Harz verschleppt. Wie die Kinder des Rangsdorfer Stauffenberg-Konspiranten Georg Alexander Hansen die Blutrache erlebten, berichtete der Sohn des Widerstandskämpfers, Karsten Hansen, bei einer historisch-politischen Gedenkveranstaltung in der RANGSDORFER SEESCHULE.
Wenn es nach Georg Hansen, Chef der militärischen Abwehr, gegangen wäre, hätte das von Claus Schenk Graf von Stauffenberg initiierte Hitler-Attentat noch viel generalstabsmäßiger durchgeführt werden müssen. Das ergaben die Recherchen seines Sohnes Karsten Hansen, der mithilfe einiger Zeitzeugen die Tage vor dem Attentat am 20. Juli 1944 rekonstruieren konnte. Hansen war der ß“berzeugung gewesen, dass es mehr aktiv eingebundene Mittäter hätte geben müssen. Stattdessen flog Stauffenberg damals nur mit wenigen Männern vom Flugplatz Rangsdorf an die im heutigen Polen gelegene Wolfsschanze. Hansen selbst musste zur Taufe seiner jüngsten Tochter Dagmar. „Wäre er nicht dorthin gefahren, hätte das Verdacht erregt“, so Karsten Hansen.
Doch Hitler überlebte und Stauffenberg wurde standrechtlich erschossen. Nur zwei Tage später kamen die Nazis auch Hansen im Tarn-Barackenlager „Belinda“ bei Baruth, in dem ein Teil von Hansens Abwehr stationiert war, auf die Schliche. Denn in seinem Haus im Grenzweg 1 in Rangsdorf hatten sich wiederholt Hitlergegner getroffen, hier wurde unter anderem der Schlachtplan des Staatsstreichs vorbereitet. Am 22. Juli 1944 verhaftet, wurde Hansen am 10. August zum Tode verurteilt und am 8. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Was danach geschah, entspringt den perfiden Plänen des SS-Reichsführers Heinrich Himmler. Er sann auf Blutrache. So kam es, dass im Sommer 1944 insgesamt 46 Kinder nach Bad Sachsa verfrachtet wurden, darunter neben den Stauffenberg-Sprösslingen auch die fünf Hansen-Kinder. Neben seinen beiden älteren Brüdern Hans-Georg und Wolfgang waren außer dem sechsjährigen Karsten auch seine beiden jüngeren Schwestern, die einjährige Frauke und die gerade einmal zehn Tage alte Dagmar, interniert worden. Hier in einem ehemaligen Erholungsheim für Arbeiterkinder, das extra für den Zweck der Sippenhaft komplett geräumt worden war, sollten die Kinder des 20. Juli auf Linie gebracht werden, ihre Eltern vergessen, um an parteitreue Nationalsozialisten in Adoption vermittelt zu werden. „Dazu erhielten wir sogar Falschnamen“, erinnert sich Karsten Hansen, „doch erst einmal wussten wir damals überhaupt nicht, wo wir waren und warum. Genauso wenig wussten wir, was unser Vater getan hatte. Wir hatten schreckliches Heimweh!“.
Dass ihnen Schlimmeres erspart wurde, hatten die Verschwörer-Kinder nur einem alliierten Bombenangriff zu verdanken. Am Ostermontag 1945 sollten die Kinder wieder nach Hause fahren dürfen – hieß es. Sie packten ihre Sachen, doch ein Bombenangriff, der sie auf dem Weg zum Zug überraschte, legte den Bahnhof in Trümmer. Und so ging es zurück ins Kinderheim. Vielleicht hat das vielen von ihnen das Leben gerettet. Denn in Wahrheit sollten sie ins KZ Buchenwald gebracht werden. Nach fast eineinhalb Jahren in Bad Sachsa durften die Kinder schließlich wieder zu ihrer inzwischen freigelassenen Mutter nach Michelau.
Zum Gedenken an die Widerstandskämpfer um Claus Graf Schenk von Stauffenberg legte Rangsdorfs Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) im Rahmen der Lesung am Gedenkstein für die Attentäter auf dem Parkgelände der SEESCHULE, dem ehemaligen Offizierscasinos des Rangsdorfer Flugplatzes, einen Kranz nieder. Einen ähnlichen Gedenkstein will Rangsdorf nun für die internierten Verschwörer-Kinder in Bad Sachsa stiften.
Die Aula der SEESCHULE RANGSDORF war bei dieser bewegenden Veranstaltung, die von Eike Mewes moderiert wurde, bis auf den letzten Platz besetzt.