Märkische Allgemeine, Potsdamer Stadtkurier, Ricarda Nowak
18. Oktober 2010
 
Projekthaus Babelsberg eröffnet Umweltbildungsstätte
Angebote für Kitas, Schulen und Migranten

BABELSBERG Mit einer am Sonnabend eröffneten Umweltbildungsstätte hat das alternative Projekthaus Babelsberg in der Rudolf-Breitscheid-Straße 164 sein pädagogisches Angebot erweitert. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit erhalten, sich im Recyceln zu üben, selbst Energie zu erzeugen und mit Naturmaterialien zu arbeiten, sagte Holger Zschoge, Sprecher des Vereins zur Förderung innovativer Wohn- und Lebensformen (Inwole). Papierschöpfen, Kerzenziehen, Filzen gehören ebenso dazu wie das Anlegen von Barfußpfaden, Kräuterbeeten und Insektenhotels.

Kindertagesstätten und Schulen können in der Umweltbildungsstätte Projekttage, Workshops und Seminare zu den Themen Umwelt und Energie buchen. Das Haus beteiligt sich am Projekt „Leuchtpol“ der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung, das sich in den nächsten zwei Jahren an Kindereinrichtungen in Brandenburg und Berlin richtet. Demnächst soll ein erster Kooperationsvertrag mit der SEESCHULE RANGSDORF unterzeichnet werden. Vormittags steht die Umweltbildungsstätte, geleitet von Miriam Meeden, Kitas und Schulen offen, nachmittags dann allen Interessierten.

Angebote richten sich auch Erwachsene, zuletzt fand ein Ökologieseminar zu nachhaltiger Entwicklung und Atompolitik statt. Ab Oktober werden in Kooperation mit der Diakonie und der Ausländerbeauftragten Qualifikationen – von der Fahrradreparatur bis zur Keramikproduktion – für Migranten organisiert. Ziel ist laut Zschoge eine vorberufliche Qualifizierung für Flüchtlinge, die offiziell nicht arbeiten dürfen, aber dennoch in Arbeitsprozesse integriert werden sollen.

Für die Umweltbildungswerkstatt, den Bau einer Regenwassernutzungsanlage sowie die Erneuerung des Sanitärtraktes im Werkhaus hat der Verein 20 000 Euro aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes bekommen. Zudem wurde das Dach der Keramikwerkstatt saniert. Das Werkhaus bekam überdies ein kleines Büro mit integriertem Hofladen.

Mit dem Werkhaus sei ein Ort „geschaffen, wo wir unsere Ideen von solidarischer Ökonomie und Eigenarbeit theoretisch und praktisch umsetzen können“, sagt Zschoge. Man wolle zeigen, „dass man anders arbeiten, produzieren und leben kann“. Das sei der inhaltliche Anspruch des 2005 eröffneten Projekthauses, das seit 2008 den Status eines Mehrgenerationenhauses hat. Dafür gibt es jährlich 40 000 Euro EU- und Bundesfördermittel. In der Breitscheidstraße wolle man der „neoliberalen Wachstums-Ideologie“ Ressourcen schonende Alternativen entgegensetzen. Für Zschoge zeigt auch der Widerstand gegen „Stuttgart 21“, dass es nicht nur um einen Bahnhof geht, sondern um die Frage, „wie wir in Zukunft leben“.