
"Hallo Deutschland!" Athina, Adrien und Adronikos lernen in den Ferien an der Seeschule Rangsdorf. Fotos: Klaus Schlage

RANGSDORF - „Schleswig-Holstein“ ist für Ausländer ein richtiger Zungenbrecher. Victoria setzt mehrmals an, bis das schwere Wort heraus ist. Lehrerin Tatjana Schimmelpfennig hat alle Bundesländer auf Zettel geschrieben, jeder liest seinen vor. Auch große deutsche Städte und Flüsse kennen die 8- bis 13-Jährigen, obwohl sie in den USA, in Venezuela, in Russland, Kuweit, China, Italien, Australien oder anderen Ländern zu Hause sind. Drei Wochen lang lernen die Kinder aus allen Kontinenten in Rangsdorf Sprache, Land und Leute kennen.
Bereits das dritte Mal veranstaltet das Goethe-Institut in Rangsdorf einen Sommerferienkurs. „Wir fühlen uns hier an der Seeschule sehr wohl. Der Hausmeister, die Küchenfrauen – alle erfüllen unsere Wünsche. Die Kontakte zu Gemeinde, Jugendklub und den Horten sind ganz wichtig für uns“, sagt Kursleiter Ralf Gotsche.
Vier Lehrer und sieben Betreuer kümmern sich um die Kinder. Betreuerin Isabel ist dabei, „weil es mir früher auch so ging wie vielen dieser Kinder. Ich habe eine deutsche Mutter und einen polnischen Vater, lernte aber erst als Jugendliche richtig Deutsch.“ Adrien aus Ruanda (12), der einen deutschen Vater und eine ruandische Mutter hat, verbringt den Sommer immer in Deutschland. Wenn ihn jemand wegen seiner Sprachkenntnisse lobt, grinst der Junge mit der kaffeebraunen Haut: „Ich bin ja auch Deutscher.“ In Rangsdorf soll er, der zu Hause in Ruanda französisch spricht, sein Deutsch vervollkommnen. „Aber diese Hitze hier“, stöhnt ausgerechnet er, der in Afrika wohnt. „Sonst ist es in Ruanda auch oft kühl und regnerisch, und im Hochsommer bin ich ja nie dort.“
Der kleine Herzensbrecher Andronikos (9) aus Griechenland prahlt: „Ich spreche griechisch, englisch, deutschisch. Und ich liebe hier alles.“
Kinder und Jugendliche, die beim Goethe-Institut Deutsch lernen, tun das auf Wunsch ihrer wohlhabenden Eltern, die den Sprösslingen gute Zukunftschancen bieten wollen und Flug, Unterkunft und Unterricht bezahlen.
Am Mittwoch kommen Rangsdorfer Hortkinder zu Besuch. Dann wird der Abend der Kulturen gefeiert. „Vielleicht zeigen uns ja auch die Rangsdorfer Kinder ein kleines Programm“, wünscht sich Kursleiter Ralf Gotsche.