RANGSDORF - „3-2-1-Go!“ So startete Ria Nolte, Lehrerin an der Seeschule Rangsdorf, die Generalprobe zum Theaterstück der Zwölftklässler. Die zehn Teilnehmer ihres Kurses Darstellendes Spiel versuchten sich in diesem Jahr an einem klassischen Thema, aufbereitet für die heutige Zeit. Die Handlung: Piere, Regisseur eines Theaters (Tim Breunung), will Goethes „Faust“ mit Laiendarstellern besetzen und lässt Interessenten vorsprechen. Lebenskünstler, gescheiterte Existenzen, Möchtegern-Philosophen, Studienabbrecher sprechen für die Rollen vor. Valerie (Vanessa Stallknecht) würde gern den Part des Mephistopheles übernehmen, des Teufels, dem Faust seine Seele verschreibt, sollte dieser ihm das gewünschte Lebensglück verschaffen.
„Mephisto ist das Böse, das ist niemals eine Frau“, rufen die anderen Anwärter entrüstet. Doch Valerie erklärt, wie auch Frauen ganz alltäglich das Böse verkörpern können. Wie sie sich „hoch schlafen“ in der Firma, nebenbei Ehen ruinieren, intrigieren. Doch sie wird die Rolle von Gretchen bekommen. Kfz-Mechaniker Ben (Tim Pochert) ist auf die Rolle von Faust erpicht, doch der Mephisto wird sein Feld werden. Das Drama entwickelt sich, endet hier allerdings offen, um die Zuschauer zum Mitdenken zu bewegen.
Die Darsteller arbeiteten sich über das Thema „Gut und Böse“ an das Goethestück heran. „Erst seit gut einer Woche standen die endgültigen Texte und wir mussten mächtig büffeln“, so Benjamin Bergemann. Die Jugendlichen zitieren den Osterspaziergang und bekannte Wendungen aus dem Klassiker. Letztlich kamen sie zu einer eigenen Auseinandersetzung mit dem Guten und Bösen im Menschen. Kindesmissbrauch, alltägliche Gewalt unter Jugendlichen, Elternhaus und Schule als Hort von Auseinandersetzungen haben sie im Vorfeld diskutiert, bevor es zu der Aufführung kam.
Die Kursteilnehmer brachten Requisiten von zu Hause mit. Ria Nolte nähte Dekorationen. Die Texte wurden gemeinsam geschrieben, treffende Passagen aus dem Faust darin integriert. Ton- und Lichttechnik, bedient von Schülern der 8. und 10. Klasse, bekamen den Feinschliff. Die Kursleiterin und ihre Schützlinge konstatierten bei der letzten Probe noch ein paar Textunsicherheiten, die zur Aufführung vor Verwandten und Lehrerschaft am folgenden Tag verschwunden sein sollten.
