Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, Marco Paetzel
26. Februar 2010
 
„Warum hat die MAZ diese Löcher an der Unterseite?“
AKTION An der Seeschule geht es im Deutsch-Unterricht vier Wochen lang um Zeitung. Im Rahmen der Aktion „Zeitungsflirt“, bei der Schüler vier Wochen lang Die MAZ lesen, löcherten die Siebtklässler der Rangsdorfer Privatschule einen MAZ-Volontär mit Fragen.

Die MAZ als Hausaufgabe: Die 7. Klasse der Seeschule Rangsdorf beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Zeitung. FOTO: Marco Paetzel

RANGSDORF Er hat es schon wieder getan. Alexander Kupka (13) hat seinen Unterrichts-Laptop fünf Minuten früher angeschmissen. Dabei fängt die Stunde doch erst an. „Das ist nicht in Ordnung“, weist ihn Deutschlehrer Milan Davidek freundlich, aber bestimmt zurecht. Wenn es nach dem 35-jährigen Klassenlehrer geht, soll alles stimmen. Immerhin sitzt ein MAZ-Volontär mit in der Deutschstunde. 

Seit zwei Tagen lesen Davideks Schüler jeden Morgen die MAZ. Mindestens zwei Artikel aus verschiedenen Ressorts. Inhaltsangabe und Meinung zu den Texten sind Hausaufgabe. Logisch, dass der Volontär, der sonst die Leute ausfragt, deshalb schon aus Prinzip selbst mit Fragen gelöchert wird. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Warum hat die MAZ diesse Löcher an der Unterseite?“, will Amadé Schliebner (12) wissen. „Muss die Redaktion die ganzen Texte und Fotos wirklich selber machen?“, fragt Julia Goslinowski (12).

Auch mit Kritik sparten die Jungleser an diesem Morgen nicht. Am schlechtesten kam dabei das Herzstück der MAZ weg: Die Texte. „Viel zu lang“, war der Tenor in der Klasse. Außerdem wünscht man sich mehr Boulevard und weniger Börse. „Ihr müsst mehr über Stars schreiben. Das andere lesen ja nur alte Leute“, fand Nadja Zorke (14), die in ihrer Freizeit lieber in der Bravo schmökert. Auch andere Kritik war konstruktiv gemeint. „Warum kann man die Werbung nicht auf drei Seiten hintereinander abdrucken? Dann wäre die restlichen Zeitung ohne Werbung“, schlug Amadé vor. „Dann würden viele den Werbeteil einfach wegschmeißen. Das wäre ja blöd für die Firmen“, übernahm Alexander Kupka kurzerhand das Antworten.

 

Zum Schluss wurde sogar ein bisschen Medienethik diskutiert. „Hat die MAZ eigentlich Sponsoren, damit sie genug Geld hat?“, fragte Christoph Fiala (12). „Um Gottes willen“, fuhr Lehrer Davidek dazwischen, noch bevor der Volontär selbst antworten konnte. „Zeitungen sollten unabhängig sein. Hätten sie Sponsoren, könnten sie über die nichts Kritisches schreiben“, so Davidek. Er ist quasi selbst ein Medienfachmann. Während seines Lehramtsstudiums jobbte Davidek jahrelang beim RBB. „Als die Mutter eines Schülers mich auf die MAZ-Aktion aufmerksam machte, fand ich das eine super Idee für meine Klasse“. 

In Vorbereitung auf die Aktion stehen seit Wochen journalistische Genres auf Davideks Lehrplan. So sollten die Schüler beispielsweise einen Bericht über eine fiktive Reise nach Ägypten schreiben. Am Ende des Zeitungsflirts, hofft Davidek, hat er den Schülern einen Schubs gegeben. Die Schülerzeitung hat nämlich seit Dezember mangels Redakteuren keine Ausgabe mehr herausgebracht.