Der Trend zum weiteren Wachstum der Anzahl privater Schulen dürfte auch in den nächsten Jahren anhalten, sagt Christoph Schröder, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Brandenburg. Mit ihm sprach Veronika Godau.
MAZ: Derzeit gibt es in Brandenburg 161 Schulen in freier Trägerschaft. Wohin geht die Entwicklung?
Christoph Schröder: Ich muss von der Statistik Schuljahr 2008/2009 ausgehen, da mir Zahlen von 2009/2010 noch nicht zur Verfügung stehen: Die Zahl der Schulen in öffentlicher Trägerschaft ist rückläufig: von 1991 mit 1241 Schulen bis 2008/09 mit 813. Schulen in freier Trägerschaft entwickelten sich vom Jahr 1991 mit 23 Einrichtungen bis zu 2008/09 auf 161. (Dass die Entwicklung mit 23 startete, liegt daran: kirchliche Fördereinrichtungen sowie berufliche Schulen wurden gleich zu Anfang anerkannt, dazu als einzige allgemeinbildende Schule das Evangelische Gymnasium Potsdam-Hermannswerder (gegründet 1990). Der Trend zum weiteren Wachstum der Anzahl freier Schulen dürfte auch in den nächsten Jahren anhalten, sofern nicht die Landespolitik künstlich Hürden errichtet.
MAZ: Woran orientieren sich private Schulen? Werden andere, speziell ausgerichtete Unterrichtsstoffe angeboten?
Schröder: Sie orientieren sich an speziellen Konzepten (die Palette ist breit gefächert, von konfessionellen Schulen mit nicht so stark abweichender Organisationsform, aber ausgeprägtem religiösem und oft auch musischem Angebot – bis hin zu stark reformpädagogischen geprägten Konzepten: Betonung des eigengesteuerten Lernens, alternative Gruppenformen (nicht traditionelle Klassen), oft jahrgangsgemischt, usw. Die freien Schulen haben den garantierten Gestaltungsspielraum und können stark von dem Raster öffentlich getragener Schulen abweichen.
MAZ: Was bewegt Eltern dazu, Kinder auf eine private Schule zu schicken?
Schröder: Die Motive sind vielfältig: Viele suchen eine alternative Pädagogik (besonders stark in den Grundschulen); Sie erwarten (m. E. zu Recht) bessere Mitwirkungsmöglichkeiten. Viele freie Schulen genießen einen ausgezeichneten Ruf; dieser gründet sich nicht nur auf die in Abschlüssen erreichten Noten, sondern auch auf ein förderliches und die einzelnen förderndes Schulklima mit besonders vielen Anregungen.
MAZ: Wie finden Eltern die richtige Schule für ihr Kind und ab welchem Alter ist der Einstieg möglich?
Schröder: Es gibt nur folgende vernünftige Ratschläge:
1. Vorinformieren übers Internet (Größe der Schule, Konzeption der Schule, Status der Schule: genehmigt oder sogar anerkannt, d.h. kann eigene Abschlüsse vergeben, usw.)
2. Den Tag der offenen Tür besuchen, mit Lehrern, Eltern, Schülern sprechen, das Kind mitnehmen und mit ihm über die Eindrücke zu Hause sprechen;
3. Prüfen, welcher finanzielle Beitrag erwartet wird.
MAZ: Mit welcher finanziellen Belastung müssen Eltern pro Monat rechnen?
Schröder: Das kann man pauschal nicht sagen; das Schulgeld – ohne Zusatzleistungen wie Essen, besondere außerunterrichtliche Angebote usw.) soll so beschaffen sein, dass die Schule allgemein zugänglich bleibt und keine „Schule der Reichen“ ist.
MAZ: Inwieweit sind Eltern mehr gefordert?
Schröder: Durch das Schulgeld sowie durch Mitarbeit und Mitberatung im pädagogischen Prozess, abhängig vom Alter der Schüler anfangs stärker, zum Schluss schwächer.
MAZ: Ist eine Schule in Wohnnähe wichtig oder werden auch Internatsplätze angeboten?
Schröder: Internatsplätze bietet zum Beispiel das Evangelische Gymnasium der Hoffbauer-Stiftung Potsdam-Hermannswerder an, auch am Leonardo-da-Vinci-Campus Nauen gibt es eine Anzahl Internatsplätze, ebenso in der SEESCHULE RANGSDORF. Internatsunterbringung ist sehr kostenaufwendig. An manchen Internatsschulen kann die Familie ab 10. Klasse Bafög beziehen.