Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, Elke Höhne
09. Oktober 2009
 
Sogar Oma und Opa helfen mit
Bildung: In RANGSDORF betreiben Eltern in Eigenregie eine Kindertagesstätte

Seit drei Monaten ist Rangsdorfs erste Wald- und Natur-Kita in Betrieb. Das Konzept der Kitalinos wird angenommen. 

 

RANGSDORF Das Selbstvertrauen wurde umso größer, je mehr die Frauen sich im Kita-Ausschuss vom „Spatzennest“ für eine größere Lobby der Erzieher einsetzten. Als engagierte Mütter appellierten Melanie Eichhorst und Jeannette Averhaus an die Politiker, engagieren sie sich in der Kitainitiative des Landes Brandenburg.

Bildungsauftrag, Personalschlüssel, Tarifvertrag – das sind keine Fremdwörter mehr für die Rangsdorferinnen. „Jetzt haben wir uns so lange mit Kita-Angelegenheiten beschäftigt, da können wir es auch selbst wagen“, beschlossen sie deshalb eines Tages, in Eigenregie eine Kindertagesstätte zu gründen. Heute, drei Monate nach der Eröffnung, betreut „ihre“ Kita „Lino“ auf dem Gelände der SEESCHULE in der Stauffenbergallee 14 Knirpse im Alter zwischen ein und sechs Jahren.

Bei einer Kapazität von 25 Kindern ein guter Anfang, so der Vorstand des Trägervereins Kitalino, Jeannette Averhaus. Eltern und Förderer hatten in nur sieben Monaten wahre Wunder vollbracht und in unzähligen Arbeitsstunden das Gelände sowie das Haus hergerichtet.

„Im Grunde sind wir wie ein Unternehmen mit vier Angestellten und einer kommunalen Kombilohnstelle“, erklärt Jeannette Averhaus. Die Journalistin ist für die „Vereinsmeierei“ und die Verwaltung zuständig. Diplomheilpädagogin Romy Herrmann kümmert sich als Leiterin der Kita im Verein um die Umsetzung des pädagogischen Konzepts, an ihrer Seite in der Kita weiß sie die Erzieherinnen Andrea Vehlow und Heidrun Arndt. Die Kinder sollen viel Zeit im Freien, im Wald und im Spiel mit natürlichen Materialien verbringen. Hinter diesem Anliegen stehen 16 Vereinsmitglieder und „viele, viele Förderer und Freunde“, wie die Frauen betonen. Sie heben die große Unterstützung der Gemeinde und der SEESCHULE hervor. Bürgermeister Klaus Rocher ist froh über die Initiative, erfreut sich doch Rangsdorf einer wachsenden Kinderschar.

Vom Prinzip her funktioniert der Betrieb wie in der gemeindeeigenen Kita. Die Bezahlung ist im Kita-Gesetz genau geregelt. Die Kommune übernimmt Sachkosten wie Miete, Strom. Der Landkreis kommt für 84 Prozent der Personalkosten auf. Rein theoretisch müsste der Träger die restlichen 16 Prozent beisteuern. „Da wir ein gemeinnütziger Verein sind, kommt die Gemeinde für diese Kosten auf“, so Jeannette Averhaus. 

Das Plus der Kitalinos: Die Nettozeit der Erzieher am Kind sei viel höher als anderswo. Und dieser besonderer Anspruch – „liebevolle, individuelle, naturnahe Obhut“ in Kurzform „Lino“ – kommt an. 30 Euro bezahlen die Eltern dafür zusätzlich pro Monat für ihr Kind. Bei sozialen Härtefällen kann ein Antrag auf Unterstützung gestellt werden. „Das Geld ist es uns wert“, sagt Antje Ohlendorf. Sie weiß neben Ashley (4) auch die fast zweijährige Virginia in besten Händen. „Wir werden in der Nähe bauen, es passt alles super“, schwärmt die Mutter von vier Kindern. Ihr Mann Wolfgang ergänzt: „Alles ist optimal, die Elterninitiative finden wir super“. Zum Arbeitseinsatz kürzlich hätten sie sogar Oma und Opa mitgebracht. 

Kerstin Reinsch findet die Kita „Lino“ vor allem für Jungen ideal. Ihr Magnus (4) sei viel an der Luft und in Bewegung und könne viel entdecken. „Man kann hier mehr Einfluss darauf nehmen, was passiert“, sagt sie. 

Der eine bringt eine Palette Milch mit, ein anderer Kastanien zum Basteln, ein dritter baut ein Eingangsschild – jede Hilfe ist auch weiterhin willkommen.