Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, Gudrun Schneck
21. Juli 2009
 
Viele Stauffenbergs nötig
Gedenken: Auch Kinder sprachen zum Jahrestag des Deutschen Widerstandes

Gestern vor 65 Jahren startete Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg vom Rangsdorfer Flugplatz zum Hitler-Attentat nach Ostpreußen. Zum Jahrestag des Deutschen Widerstandes hatte die Gemeinde Rangsdorf in die SEESCHULE eingeladen. Es war ein Gedenken, das sich nicht lange im Gestern aufhielt. 

 

RANGSDORF Die Gäste der Gedenkveranstaltung im Rahmen des Konversionssommers Brandenburg hatten einen bemerkenswert geringen Altersdurchschnitt. Die Hälfte der Stühle war mit Kindern aus 20 Ländern besetzt, die in der SEESCHULE RANGSDORF einen Deutsch-Kurs des Goethe-Instituts absolvieren.

Peter Wulkau, Mitarbeiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin, unterließ denn auch ausschweifende Geschichtsbetrachtungen, sondern versuchte, seinen Zuhörern den Menschen Stauffenberg nahe zu bringen. Wie ein Brief an den Bruder zeigt, war sich Oberst von Stauffenberg schmerzlich bewusst, dass er nach dem Hitler-Attentat als Verräter gelten würde. „Demokratie braucht Zivilcourage“, war Wulkaus Schlussfolgerung, die von Holger Lademann, Beigeordneter des Landkreises, aufgegriffen wurde.

Lademann würdigte die Widerständler um Stauffenberg und benannte mit Sorge heutige Anzeichen rechten Gedankengutes im Landkreis. „Aber es gibt viele Leute, die sich Neonazis offen entgegenstellen. Das macht mich optimistisch“, sagte er. Demokratie funktioniere nur mit Demokraten. Er warb bei den Bürgern auch dafür, ihr Wahlrecht nicht wegzuwerfen, sondern es zu nutzen: „Wo die Wahlbeteiligung gering ist, schneiden die Rechten erfahrungsgemäß besser ab.“

Auch die Kinder hatten sich vorbereitet. Kursleiter Ralf Gotsche: „Überall auf der Welt werden immer noch Stauffenbergs gebraucht, denn es gibt noch viel Unrecht.“ So findet Astrid aus Großbritannien die militärischen Einsätze ihres Landes in Irak und Afghanistan schlimm. Anneliese aus den USA ärgert sich darüber, dass viele Amerikaner nicht genug Geld für eine Krankenversicherung haben. Xenia aus Russland beklagt die dortige Rentnerarmut. Patrick aus Bukarest wünscht sich mehr saubere Luft.

Schade, dass wegen der schlechten Akustik im Raum die meisten Redner nur mühsam zu verstehen waren.

Architekt Jo Sollich, der über die denkmalsgerechte Sanierung und Nachnutzung des Verwaltungsgebäudes und der Kantine der Bückerwerke Rangsdorf durch das Künstlerehepaar Butzer sprach, verzichtete zum Glück auf das Mikrofon.

Unter denen, die anschließend vor dem Gedenkstein für die Offiziere Claus Schenk von Stauffenberg und Werner von Haeften verharrten, war auch der 88-jährige Rangsdorfer Alfred Schäfer. „Es ist ein Wunder, dass ich den Zweiten Weltkrieg überhaupt überlebt habe. Ich verstehe nicht, dass die Menschen keine Lehren gezogen haben und es immer wieder Kriege gibt“, sagte er.