„Mama, ich hab’ heute einen Schmetterling entdeckt!“ Damit Kinder so begeistert von ihrem Tag erzählen, haben Rangsdorfer Eltern und Sympathiesanten zunächst einen Verein und jetzt eine neue Kindertagessstätte gegründet.
RANGSDORF Die Kita „Lino“ (Abkürzung für: liebevolle, individuelle, naturnahe Obhut) fängt klein an – mit sechs Kindern. Seit zwei Wochen gehen Ein- bis Sechsjährige in die neue Einrichtung, die in einem Gebäude des Privatgymnasiums SEESCHULE untergebracht ist.
„Wir sind stolz darauf, das in nur sieben Monaten hinbekommen zu haben. Eine Kita aufmachen – das klingt so niedlich. Aber da steckt ziemlich viel Bürokratie und Arbeit drin“, erzählt Jeanette Averhaus, die 2. Vorsitzende des Vereins Kitalino.
Dass alles so schnell ging, ist vor allem dem Rangsdorfer Engpass bei Kita-Plätzen für Ein- bis Zweijährige geschuldet. Die Gemeinde unterstützte deshalb die Kita-Gründung, legte aber im Vertrag mit dem Verein auch fest, dass nur Rangsdorfer Kinder aufgenommen werden.
Schon im September werden 18 Knirpse die Einrichtung besuchen. Die Betriebserlaubnis des Jugendamtes gilt für maximal 25 Kinder. Die Eltern-Gebühren sind dieselben wie in den kommunalen Rangsdorfer Kitas mit dem Unterschied, dass Eltern, die nicht im Förderverein Mitglied sind, 30 Euro mehr zahlen.
„Unser pädagogisches Konzept liegt zwischen dem eines normalen Kindergartens und eines Waldkindergartens“, sagt Jeanette Averhaus, deren Kinder selbst die Kita „Lino“ besuchen. Viel frische Luft, viel Beschäftigung mit Naturmaterialien, viel Lebensnähe, viel individuelle Hinwendung. Das wurde vom ersten Tag an praktiziert. Mit dem Bollerwagen geht es oft durch Wald und Flur. „Danach haben die Kinder mittags wunderbar geschlafen. Es gab überhaupt keine Probleme mit der Eingewöhnung an das neue Haus“, freut sich Jeanette Averhaus. Da erst ab heute Mittagessen geliefert wird, haben die Erzieherinnen bisher das Essen selbst bereitet, und zwar mit Hilfe der Kinder. Die Großen durften schon Kartoffeln schälen, Möhren schneiden oder Stullen schmieren. Lebensnahe Erziehung eben.
Geplant ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, welche die frühkindliche Bildung in Naturwissenschaften und Technik fördert.
Der enge Kontakt zu den Eltern hat sich schon vor dem Einzug bewährt. Die Vereinsmitglieder bauten selbst Zwischenwände, schraubten Möbel zusammen, kürzten Gardinen, malerten Wände.
Kita-Leiterin ist die Diplomheilpädagogin Romy Herrmann, ihr stehen die Erzieherinnen Andrea Vehlow und Heidrun Arndt zur Seite. Weitere Neueinstellungen sind absehbar.
Ab September wird in der Kita „Lino“ außerdem eine Kommunal-Kombi-Stelle eingerichtet. Dann fängt eine bisher arbeitslose Kollegin an. Ihr Lohn wird von Bund und Land bezuschusst. „So können wir den gesetzlichen Personalschlüssel überschreiten und kleinere Gruppen bilden“, erklärt Jeanette Averhaus. Um auch den Betreuungsbedarf nach 16.30 Uhr abzudecken, möchte die Kita künftig einen gebührenpflichtigen Babysitter-Service anbieten, zum Beispiel an den Behördentagen Dienstag und Donnerstag.
Der Mietvertrag mit der SEESCHULE endet in zwei Jahren. Dann will sich der Verein für einen von der Gemeinde geplanten Kita-Neubau bewerben. „Wir müssen uns einen guten Ruf erarbeiten“, weiß Jeanette Averhaus.