Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau,Andrea von Fournier
03. Juli 2009
 
Von „sesseligen Stühlen“
Lesung: Experimentelle Lyrik in Rangsdorf

RANGSDORF „Oft scheint der Literaturunterricht ein Besuch im Klub toter Dichter zu sein. Ich freue mich und bin gespannt auf die Leseproben der jungen Frau neben mir.“ Mit diesen Worten kündigte am Dienstagabend Norbert Krüßmann, Kursbegleiter des Deutsch-Leistungskurses 12. Klasse der SEESCHULE RANGSDORF, die Autorin Anke Glasmacher an.

Erwartungsvolle Eltern und Schüler hörten moderne Lyrik. Anke Glasmacher (39) ist gebürtige Rheinländerin und kam beruflich nach Berlin. Sie veröffentlichte seit 2002 einen Lyrikband und zwei Bücher mit Geschichten aus dem Alltag im Allgemeinen und dem Berliner Alltag im Besonderen. Manchmal sind ihre Protagonisten Rheinländer, deren Profession mit Politik, mit Reden oder Schreiben zu tun hat – skurrile Leute mit überraschenden, absonderlichen Wegen.

Autobiografisches ist dabei nicht auszuschließen: Anke Glasmacher studierte Pädagogik, Germanistik und Philosophie in Köln und Bonn und arbeitete für einen Abgeordneten, bevor sie ihre jetzige Tätigkeit als Pressereferentin, Redakteurin und Autorin begann. In RANGSDORF las sie Lyrik und Kurzgeschichten.

Jewgeni Milan, Musikschüler in Wünsdorf, veredelte die Pause mit Klaviermusik.

Anke Glasmachers Gedichte wurden an die Wand projiziert, unterlegt mit selbst aufgenommenen Fotos. Von Redefluss über Regennacht bis zum Schneetag reichten die Themen – Lebens- und Liebesraum Großstadt immer im Blick. Anke Glasmacher überzeugte mit ihrer experimentellen Lyrik. Mit „als die Sonne in ihr schwarzes Rendezvous eintaucht“ beschreibt die Autorin beispielsweise die Lichtwende. Die absurde Geschichte von Tischen und Stühlen und deren Beinen, von „sesseligen Stühlen“ bis zur fundamentalen Frage, ob der Thron als solcher ein Stuhl, ein Sessel oder eine Bank sei, amüsierte die Zuhörer. „Ich finde ihre Arbeiten gut, manchmal richtig witzig“, meinte Schülerin Jessica Müller. Besonders freute sie, eine Autorin persönlich kennen gelernt zu haben.

Die Lesung war nur ein Mosaikstein, mit dem Norbert Krüßmann den Literaturunterricht lebendig gestalten will. Er war mit den Schülern in der Berliner Staatsbibliothek und im Pergamonmuseum, wo sich die Gruppe über die Anfänge der Schrift informierte. Danach gab es einen Gesprächskreis, in dem die Jugendlichen ersten Kontakt zu Anke Glasmacher bekamen. Wer wollte, blieb noch zur langen Nacht der Lyrik im Prenzlauer Berg.

info Bücher und Autobiografisches unter www.anke-glasmacher.de