Dahme Kurier, Sarah Schaschek
07. August 2008
 
Unterricht im Maisfeld
wölf Mädchen und Jungen jagen mit frischen Maiskolben in den Händen über die märkischen Felder. Sie sind für einen Deutschkurs hier und lernen nebenbei, was Kartoffel-Maschinen tun.

Deutschstunde zwischen Maiskolben. Die Schüler des Sommerkurses am Berliner Goethe-Institut haben bei der MAG nicht nur an Vokabeln gedacht. (Foto: Andreas Kämper)

Mittenwalde Conrad Leaton-gray ist zehn, und er lebt auf einer Farm in England. Er ist mit Kartoffeln und Möhren aufgewachsen, höchstwahrscheinlich wird er selbst mal den Hof seiner Eltern übernehmen, sagt er. In der Kartoffelabfertigung der Märkischen Agrargenossenschaft (MAG) kann Conrad trotzdem noch viel lernen: "Wir machen zu Hause viel mehr mit der Hand." Seine Sommersprossen leuchten: "Hier gibt es so tolle Maschinen."

Er sagt es auf Englisch. Denn mit dem Deutschlernen hat er gerade erst begonnen. Seit drei Wochen wohnt Conrad in der Seeschule Rangsdorf und macht einen Kurs am Goethe-Institut.

Heute steht das Thema Lebensmittel auf dem Stundenplan. Deutschlehrer Jan Scheithauer wollte mit den Kids nicht einfach in einen Supermarkt gehen. "Zu steril", sagt er. "Außerdem ist es wichtig zu sehen, wo die Lebensmittel herkommen." Also hat er die Kinder auf den Hof der MAG gebracht.

Sie kommen aus Polen, Russland, Italien, England, Belgien, zwölf Mädchen und Jungen. Sie haben die Maschine gesehen, die die Kartoffeln sortiert und in Säcke abpackt. Was eine märkische Kartoffel ist, das werden die Neun- bis Zwölfjährigen so schnell nicht vergessen. Cornelia Brinkmann, Geschäftsführerin der MAG, hat häufig Kindergruppen zu Gast – diese hier ist ein wenig chaotischer und auch das Erklären ist schwieriger, sagt sie. "Aber man kann ja alles anfassen und gucken und riechen." Das haben die Kinder dann auch getan: So haben sie im Hofgarten an der Pfefferminze gerochen, Gewürze angeschaut und Kartoffeln ausgebuddelt. "Oder sagt man stechen?" Selbst der Deutschlehrer muss da kurz nachdenken, zwischen den Maisfeldern gibt es scheinbar für jeden noch etwas zu lernen. "Jedenfalls wird es heute Abend märkisches Ratatuille geben." grinst Scheithauer. "Auf Kartoffelbasis." Die Möhren und den Mais nehmen sie gleich mit.

Conrads Freund Luca fand den Bauernhof ebenfalls "cool". "Er ist ein Stadtkind", Conrad deutet auf den Kumpel. Der grinst: "Ich habe noch nie Kartoffeln geerntet."

Als die Gruppe sich fürs Foto aufstellt, wird die Geschäftsführerin etwas unruhig. Wegen der zertretenen Maiskolben? "Ach was", Brinkmann winkt ab. "Aber in den Feldern leben Wildschweine. Die können ganz schön biestig werden."

Bevor die Goethe-Kinder aufbrechen, fällt dem Farmerssohn Conrad noch etwas ein. "Ich möchte doch lieber Schauspieler werden", sagt er. Dann rennt er zurück zu den anderen.