
Ausländische Schüler lernen in Rangsdorf Deutsch, rechts Jia Long aus China, daneben Omar aus Ägypten. (Foto: Klaus Schlage)
RANGSDORF Omar ist neun Jahre alt und wohnt normalerweise in Kairo. Gestern sang er voller Inbrunst gemeinsam mit seiner Gruppe ein Lied mit dem Refrain "Alle lieben Rangsdorf, uns gefällt es hier". Seit Sonntag absolviert der kleine Ägypter einen Sprachkurs des Goethe-Instituts in Rangsdorf. "Ich besuche in Kairo die deutsche Schule, und meine Eltern verleben den Urlaub oft in Deutschland", erklärt er seine guten Vorkenntnisse.
Spanien, Griechenland, USA, Frankreich, Großbritannien, Polen, Russland, Rumänien und Indonesien sind nur einige der Länder, aus denen die Schüler kommen. Der Aufenthalt wird komplett von den Eltern bezahlt erzählt Andrea Popp, die Verwaltungsleiterin des Kurses. "Oft ist ein Elternteil Deutsch, die Kinder besuchen deutsche Schulen im Ausland, oder haben Deutschunterricht an der Grundschule. Viele dieser Eltern wünschen, dass ihr Kind später in Deutschland studiert", ergänzt sie.
Vormittags ist vier Stunden Unterricht, nachmittags gibt es viele Freizeitmöglichkeiten - angefangen vom Baden im Kiessee, Reiten, Kanufahren, Fußball und Basteln über Besuche in Berlin, einen Nachmittag im Wald mit dem Projekt Waldhaus Blankenfelde bis zu Ganztagesfahrten nach Potsdam und in den Spreewald. Keine Spur von Berührungsängsten war beim Würstchengrillen mit den Kindern des Rangsdorfer Ferienhortes zu merken.
Bei einem Besuch in der Bibliothek Rangsdorf sammelten die Kinder Material über selbst gewählte Themen aus der Geschichte und erarbeiteten dazu kleine Referate. Sophia aus den USA sprach sogar in freier Rede über die Zeit der Saurier. Jia Long aus Schanghai und Omar aus Kairo hatten sich über die DDR informiert.
"Die Kinder sind Bohr wissbegierig und auch politisch interessiert, da macht das Lehren Spaß", sagt Nils Bernstein über seine Schützlinge.
Trotzdem findet Sarrina aus Athen: "Deutsch ist schwer, besonders die Grammatik. Aber es gefällt mir hier. Ich war schon voriges Jahr in einem Kurs des Goethe-Instituts. Deutschland ist schön grün, ganz anders als Athen." Auch Anton aus Los Angeles mag hier vor allem die Natur, "außerdem ist es nicht so heiß wie in L.A." Der Junge verbrachte seine ersten drei Lebensjahre in Bonn. Kursleiter Ralf Gotsche möchte, dass die Kinder Deutschland möglichst authentisch erleben: "Deshalb würden wir uns freuen, wenn deutsche Familien mit Kindern mal zwei unserer Schüler für einen Nachmittag zum Spielen einladen würden."