Märkische Allgemeine Zeitung, Gudrun Schneck
23. Mai 2008
 
Dicke Brocken kommen noch
Ex-Militärflächen sollen künftig verstärkt für die Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenkraft genutzt werden. Das Motto des gestern in der Seeschule Rangsdorf eröffneten Konversionssommers 2008 lautet "Konversion mit neuer Energie".

Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zum Konversionssommer auf dem Bückergelände Rangsdorf (Foto: K. S.)

RANGSDORF Die kyrillischen Lettern am Eingang zum ehemaligen Militärareal an der Rangsdorfer Stauffenbergallee verwittern. Doch was sich dahinter getan hat, nötigte dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Ulrich Junghans (CDU) Respekt ab: "Mit der zivilen Nachnutzung des denkmalgeschützten Aeroclubs als Gymnasium setzen Sie hohe Maßstäbe für die Konversion." Junghans eröffnete in Rangsdorf den 11. Konversionssommer im Land Brandenburg. Veranstalter ist das Forum für Konversion und Stadtentwicklung (Fokus), dem 19 Kommunen angehören, darunter Rangsdorf.

Von einst 100 000 Hektar, die der Bund nach Abzug der Westgruppe der Truppen (WGT) an Brandenburg übertragen hatte, werden 85 Prozent inzwischen zivil genutzt. Doch noch immer sind 20 000 Hektar zu verwerten - laut Junghans die "dicksten Brocken". Mehrere tausend Hektar kommen sogar neu hinzu, allein 3500 Hektar durch ß“bernahme der Liegenschaft Sperenberg ins Landesvermögen.

"Konversionsflächen sollten künftig verstärkt für die Erzeugung von erneuerbaren Energien genutzt werden", sagte der Minister. Als Beispiele nannte er Windkraftanlagen in Jüterbog-Neues Lager und auf dem Truppenübungsplatz Heidehof sowie Solarparks, die in Brandenburg/Havel oder auf dem Ex- Truppenübungsplatz Lieberose entstehen sollen.

Allerdings mache es keinen Sinn, an einem Standort Windräder oder Photovoltaikanlagen zu installieren, wenn dorthin große ß“berleitungsnetzwerke gebaut werden müssten. Die Energieunternehmen sollten deshalb frühzeitig in die Planung einbezogen werden. "Ich kann mir auch vorstellen, dass es zu einer Arbeits- und Finanzierungsteilung mit den Investoren schon bei der Altlastenberäumung kommt", sagte der Minister der MAZ.

Ob Photovoltaikanlagen für den ehemaligen Militärflugplatz Sperenberg infrage kommen, ist unklar. Noch handeln Bund und Land die Konditionen für die ß“bernahme ins Landeseigentum aus. Frank Marczinek, Geschäftsführer der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG), rechnet im Frühherbst mit dem Vertrag. Im Ergebnis einer Prüfung der bisher verwalteten BBG-Liegenschaften kommen neun Standorte für Wind- und zehn für Sonnenenergienutzung infrage.

Focus-Sprecher und Bürgermeister der Stadt Prenzlau Hans-Peter Moser apellierte ans Land Brandenburg, das Außerkrafttreten des WGT-Gesetzes ab 2010 zu verhindern. "Es beunruhigt die Fokus-Gemeinden, dass immer wieder der Eindruck erweckt wird, die Konversion in Brandenburg sei soweit vorangeschritten, dass sie keiner besonderen Unterstützung mehr bedürfe", sagte Moser und ergänzte: "Wir erwarten, dass die Mittel, die das Land aus der Verwertungsarbeit der BBG erzielt, vollständig und zügig für Konversionsmaßnahmen eingesetzt werden." In die gleiche Kerbe hieb Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund Brandenburg: Die bewährten Sonderregeln des WGT-Gesetzes sollten bis zum Ende der Förderperiode im Jahre 2013 verlängert werden und nicht auslaufen."

Minister Ulrich Junghans machte keine Hoffnung auf eine Verlängerung des WGT-Gesetzes, sagte aber: "Ob es einen neuen revolvierenden Fonds (Verkaufserlös aus Konversionsflächen fließt zurück in Konversion - d. Red.) geben wird, das ist noch in der Diskussion. Ich verspreche Ihnen, dass das Thema Konversion in der Landespolitik nicht unter den Tisch fällt." Das Land Brandenburg erhält in der Förderperiode 2007 bis 20l3 von der EU insgesamt 20 Millionen Euro für Konversionszwecke.

Das Ehrenamt des Focus-Sprechers wechselte in Rangsdorf zum Strausberger Bürgermeister Hans-Peter Thierfeld.