Märkische Allgemeine, Luckenwalder Rundschau, Alexander Engels
14. Mai 2008
 
Schwerter zu Touristenscharen
KONVERSION Eine militärhistorische Route soll Jüterbog II beleben / Fördergeld von der Kulturlandkampagne

Der Militärgeschichte der Region entlang der königlich-preußischen Eisenbahn wird in diesem Jahr viel Aufmerksamkeit zuteil. Geplant ist zum Beispiel eine Besucherroute durch die einstige Kasernenstadt Jüterbog II. 

 

Jß“TERBOG Was muss das für ein Treiben in Jüterbog II gewesen sein! Junge Männer in blitzenden Ausgeh-Uniformen laufen übers Kopfsteinpflaster. Aus dem Offizierskasino und den Kneipen dringen Musik, Gesang und Gelächter. In der Ferne auf dem Schießplatz donnern die Kanonen der Artillerie.

Diese militärhistorische Zeit, die Jüterbog als ganze Stadt geprägt hat, wird in diesem Jahr innerhalb des brandenburgischen Kulturlandthemas „Provinz und Metropole – Metropole und Provinz“ in den Fokus gerückt. „Es wird eine Öffentlichkeitskampagne für Jüterbog II“, kündigt Maud Decker, Planerin im städtischen Bauamt, für das heutige Sorgenkind unter den Ortsteilen an.

Vor allem kann der langjährige Plan einer militärhistorischen Stadtroute mit Hilfe der Kulturland-Fördermittel verwirklicht werden. Dafür werden Informationsstelen an markanten Punkten aufgestellt – ähnlich denen, die durch die Jüterboger Altstadt führen. „Es werden elf Ständer mit einem preußisch-blauen Punkt“, erläutert Claudia Gust. Sie entwirft und produziert die Stelen, die zum Beispiel am Wasserwerk, am Restaurant „Zur deutschen Krone“ (heute: Pizzeria) oder an der Millionenbrücke stehen werden.

Bevor die Wegweiser mit Informationen über bedeutsame Bauten in Jüterbog II Mitte Juli aufgestellt werden, gibt es andere Veranstaltungen. Den Auftakt macht heute ein „Ortsgespräch“ des Landesamtes für Denkmalpflege im Jugendklub. Dabei wird die im vorigen Jahr erarbeitete Bestandspotenzialanlalyse vorgestellt und über die Entwicklungsmöglichkeiten des Stadtteils für seine Einwohner und die denkmalgeschützten Gebäude beraten.

Denn die einst quirlige Kasernenstadt gibt heute ein überwiegend trübes Bild ab. Im sogenannten vierten Tor der Stadt stehen viele imposante Backsteinbauten leer. Die Grünflächen sind verwildert. ß“ber das Holperpflaster fegen Staubwolken. Einige Gebäude sind anspruchsvoll saniert. Einfamilienhäuser wurden errichtet. Rund 800 Menschen wohnen heute in dem Ortsteil jenseits der Bahngleise.

Ohne die Schienen hätte es ihn wohl nie gegeben. ß“ber die königlich-preußische Militäreisenbahn wurde die Artillerieschießschule vor rund 120 Jahren nach Jüterbog verlegt. „Das sorgte für einen Bauboom in der ganzen Stadt, der in alten Akten abzulesen ist“, berichtet Maud Decker. „Es gab eine rasante Entwicklung in Jüterbog“, bestätigt Museumsleiter Norbert Jannek. Betriebe erhielten Aufträge zur Versorgung der Soldaten oder zum Leeren der Dunggruben, an allen Ecken entstanden neue Kneipen – „inklusive des Rotlichtmilieus“ – und die Stadt baute das Wasser- und Abwassernetz aus.

Diese Entwicklung wird in einer Ausstellung gezeigt, die am 25. Mai im Kulturquartier Mönchenkloster eröffnet wird. Parallel dazu werden Führungen durch Jüterbog II angeboten.

Auch andernorts entlang der königlich-preußischen Eisenbahn seien Veranstaltungen geplant, berichtet Markus Hennen, Koordinator des alljährlichen Konversionssommers. So wird es im Museum des Teltow in Wünsdorf eine Sonderaussstellung über die Bahnstrecke geben, die im Laufe der Zeit von königlichen, kaiserlichen, republikanischen, nationalsozialistischen und sowjetischen Militärs genutzt worden ist. Auch historisch arbeitende Vereine sowie die Draisinenbahn-Gesellschaft, der die Strecke heute gehört, planen Aktionen. Zudem wird der Konversionssommer am 22. Mai in der SEESCHULE in RANGSDORF eröffnet.

info Das „Ortsgespräch“ des Landesdenkmalamtes, der Architektenkammer und der Gesellschaft für Landespflege beginnt heute um 14 Uhr im Jugendclub Jüterbog II, Bergstraße 3.