Märkische Allgemeine Zeitung, Gudrun Schneck
10. Mai 2008
 
Eselskarren statt Krankenwagen
Das Thema Entwicklungsländer im Geografieunterricht kann langweilig sein - oder auch nicht. Die 12. Klassen der Seeschule Rangsdorf luden sich gestern Ines Moosmayer ein. Sie arbeitete für "Ärzte ohne Grenzen" im Kongo und im Tschad.

Ines Moosmayer bot Geographieunterricht aus erster Hand. Sie zeigte Bilder von ihrem sechsmonatigen Aufenthalt im Tschad. (Foto: K. Schlage)

RANGSDORF Ines Moosmayer ist Assistenzärztin in der Notaufnahme der Charité in Berlin. Termine wie den im Gymnasium Seeschule Rangsdorf absolviert sie in ihrer Freizeit. "Ich hatte Nachtdienst und habe mir heute frei genommen", erzählt sie am Rande.

Bereuen wird sie die Fahrt nach Rangsdorf aber nicht. Die Zwölftklässler ließen sich kein Wort entgehen. "Es war ja auch die Idee der Schüler. Ich habe nur den Kontakt hergestellt", freut sich Lehrerin Ines Nolte. Jessica und Sascha leiteten die Stunde. Und als die Ärztin ihren Vortrag beendet hatte, rissen die Fragen nicht ab.

Ist so ein Einsatz gefährlich? Warum haben Sie sich dafür gemeldet? Wie viele Menschen lebten in den von Ihnen betreuten Flüchtlingslagern? Wie schützten Sie sich selbst vor Malaria, Cholera oder Hirnhautentzündung? Wollten Sie zwischendurch mal alles hinwerfen und wieder nach Hause?

Die Jugendlichen erfuhren, dass sich Ärzte ohne Grenzen mindestens zu 50 Prozent, aber oft zu 70 Prozent aus privaten Spenden finanziert, der Rest sind öffentliche Mittel. Die Organisation ist unpolitisch. "Das heißt, wenn es zu einer Schießerei zwischen Regierungstruppen und Rebellen kommt, helfen wir allen Verletzten gleichermaßen, veranschaulichte Ines Moosmayer.

Nur knapp ein Drittel eines jeden Teams sind Ärzte. Pflegepersonal, Hebammen, Laborfachleute, Logistiker und Koordinatoren seien genauso wichtig, erzählt sie. Und immer seien neben internationalen Mitarbeitern auch nationale und lokale dabei. "Manchmal haben selbst die tschadischen Kollegen die Patienten nicht verstanden - dann musste ein lokaler Mitarbeiter in den jeweiligen arabischen Dialekt übersetzen", so die Ärztin. Mit einem Eselskarren wurden Patienten abgeholt, die zu schwach waren, um ins Gesundheitszentrum zu kommen. Ob der Auslandseinsatz sie verändert habe, wollte Elena wissen. Ines Moosmayer überlegte: "Ich weiß unser deutsches Hochleistungssystem mehr zu schätzen. Im Tschad dachte ich oft, eigentlich müsste dieser Patient nur auf eine Intensivstation, dann wäre sein Zustand bald stabil. Aber wir hatten keine. Unsere Hilfe bleibt in vielen Krisenregionen ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Politik muss die Konflikte lösen." Die Gymnasiasten überlegen jetzt, einen Teil des Erlöses einer geplanten Theateraufführung für "Ärzte ohne Grenzen" zu spenden.