
Mit einem Simulationsspiel und viel Spaß probten Schüler der Seeschule Rangsdorf am IT-Projekttatg vorige Woche Programmieren. Heute ist hier Tag der offenen Tür.
Zwei Kolleginnen haben schon an manchem Mittagstisch Pro und Kontra von Privatschulen ausgetauscht. Die eine wollte ursprünglich ihre Zwillinge auf eine Privatschule geben, ihr gefielen die geringen Klassenstärken und die vielen außerschulischen Angebote. Aber der Preis, in diesem Fall über 300 Euro im Monat, schreckte sie ab. Die staatliche Schule lag zudem ganz in der Nähe. Dorthin gehen nun ihre Kinder. Aber sie hört durch die Tochter einer Freundin von Privatschul-Erfahrungen, vergleicht und meint nun, dass in der "normalen" staatlichen Schule die Grundlagenfächer eine größere Rolle spielen und die Leistungseinschätzung sowie die Zensuren der Kinder reeller ausfallen. An der Privatschule sei man doch Kunde.
Die andere Kollegin hat ihre Kinder auf einem privaten bilingualem Gymnasium und betont das Engagement der zumeist noch jungen Lehrer, die übersichtlichen Klassen und die vielen Möglichkeiten in Arbeitsgruppen sowie die Kooperation mit der Babelsberger Filmhochschule. Mit rund 50 Euro pro Kind sei die Schule auch bezahlbar. Und da die Lehrer der staatlichen Grundschule zuvor keine Empfehlung fürs Gymnasium gegeben hatten, war nur die Privatschule eine Chance, meint sie. Da würden nicht weniger Grundlagen gelehrt, es gibt ja auch die gleichen Prüfungen zum Abschluss. Und Kinder mit Lernschwierigkeiten würden besser gefördert.
Vor der Wahl der Schule hatte diese Kollegin viele Tage der Offenen Tür an verschiedenen Einrichtungen genutzt, Räumlichkeiten, Angebote und Lehrer unter die Lupe genommen. Ihre erste Wahl, eine evangelische Schule, hatte allerdings keine freien Plätze und nahm auch nur Schiller mit einem besseren Zensurendurchschnitt. Am gewählten Filmgymnasium hatte der Sohn dann aber zunächst Probleme in der Klasse, in der es nicht wenige Rabauken gab. Denn das verbindet ja wieder Privat- und staatliche Schule: Wohlfühlen und Lernbereitschaft stehen und fallen mit der Klassenzusammensetzung und den Lehrern. Der Elternberater www.lernen-und-foerdern.com meint: "Wenn Ihr Kind gute Noten hat, gerne in die Schule geht und sogar seine Hausaufgaben allein erledigt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es an seiner Schule gut aufgehoben ist. Falls es aber Unlust und Leistungsabfall zeigt, ist es nicht falsch über alternative Schulformen nachzudenken."
Wichtige Fragen bei der Schulwahl
Checkliste vom Elternberater www.lernen-und-foerdern.com:
- Wie weit/sicher ist der Schulweg, kann Ihr Kind ihn allein bewältigen?
- Passt das pädagogische Konzept zu Ihrem Kind?
- Was ist das Lernziel der Schule?
- Wie groß sind die Klassen?
- Wie wird mit fremdsprachlichen, lernschwachen oder besonders begabten Kindern umgegangen?
- Gibt es Zusatzangebote zum Pflichtunterricht?
- Ist das Kollegium komplett besetzt oder gibt es freie Stellen, was evtl. Unterrichtsausfall bedeutet?
- Sind die Lehrkräfte altersgemäß gemischt, ist das Kollegium überaltert oder besteht es aus übermäßig vielen Berufsanfängern?
- Werden Fortbildungen für die Lehrer angeboten?
- Haben die Kinder genug Platz?
- Ist der Schulhof attraktiv gestaltet, gibt es Ruhezonen und altersgerechtes Mobiliar?
- Ist die aktive Mitwirkung von Eltern erwünscht oder selbstverständlich? Beim amtierenden Elternbeirat erkundigen!
- Wie ist der Ruf der Schule, wie erfolgreich sind die Schulabgänger?
Die Eltern stehen aber bereits, bevor ihr Kind erstmals zur Schule kommt oder aber die Wahl der Sekundarstufe ansteht, vor der Entscheidung: Welche Schule ist am besten für mein Kind geeignet? In Deutschland werden die Kinder ja bundesweit einheitlich der Grundschule zugewiesen, in deren Einzugsgebiet sie wohnen. Aber es kann formlos ein Gestattungsantrag an eine andere öffentliche Wunschschule gestellt oder auch eine Privatschule gewählt werden. Und da gibt es weit mehr als Waldorf- und Montessorischulen, wenngleich das die bekanntesten sind. Informationen zu Privatschulen im Internet: www.freie-schulen-berlin.de, www.privatschulen.de, www.vdp-berlin.de.
Beim Wechsel von der Grund- in eine weiterführende Schule - in Berlin und Brandenburg meist erst nach der 6. Klasse, teilweise aber auch wie anderswo schon nach der vierten Klasse - wird die Entscheidung noch wichtiger und fällt schwerer. Zwar gibt es abhängig vom Leistungsstand eine Empfehlung der bisherigen Lehrer für die künftige Schulform, aber bisher konnten die Eltern selbst entscheiden, ob Haupt- oder Realschule oder Gymnasium. Wobei der Ehrgeiz der Eltern oft höher war als der ihrer Kinder und mancher Schüler am Gymnasium einfach überfordert ist und zudem dort das Niveau drücken hilft. Ein Türchen offen zur höheren Bildung bleibt auch bei der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.
Neben den staatlichen können auch staatlich anerkannte Schulen in freier Trägerschaft gewählt werden - mit besonderer Pädagogik oder Bekenntnisschulen. Letztere halten den staatlichen Lehrplan ein und unterscheiden sich nur im weltanschaulichen Bereich. Tage der offenen Tür helfen bei der Entscheidung. Heute veranstaltet z.B. die Seeschule Rangsdorf, eine gymnasiale freie Ganztagsschule nebst Wocheninternat bei Berlin, ihren Infonachmittag von 15 bis 19 Uhr (Stauffenbergallee 6, Rangsdorf, www.seeschule.de). Hier setzt man auf Projektunterricht und viele Arbeitsgruppen von Wassersport bis Tierhaltung, Modellbau bis Reiten.