Märkische Allgemeine Zeitung, Gudrun Schneck
24. Januar 2008
 
Ameisen erobern den Unterricht
Rangsdorf: "Guck mal, unsere Ameisen können schon Zuckerstückchen sammeln!", sagt Elena triumphierend. Die 19-jährige, die beileibe kein Informatik-Fan ist, findet Programmieren plötzlich "cool und lustig". Und sie lässt sich den Erfolg auch nicht von Philipp (17) verderben, der rät: "Sag deinen Ameisen mal lieber, dass sie vor den blauen Käfern wegrennen sollen."

Auch Mädchen interessierten sich gestern plötzlich für Informatik (Foto: Klaus Schlage)

So einen Informatik-Unterricht wie gestern erlebten die Zwölftklässler der Seeschule Rangsdorf noch nie. Sie begannen zu lernen, wie man Ameisen auf dem Computerbildschirm "Leben einhaucht" und sie zu einem bestimmten Verhalten "erzieht".

Genau solche Reaktionen haben Schulleiter Frank Hamann und Informatiklehrer Knut Bittner bezweckt, als sie ein Team des Unternehmens Microsoft zum gestrigen Projekttag in die Seeschule Rangsdorf einluden. Microsoft Deutschland entwickelte ein Simulationsspiel mit Namen "Antme"; bei dem die Programmierung von künstlicher Intelligenz das zentrale Spielprinzip ist. Das private Gymnasium Rangsdorf ist die erste Schule, an der Microsoft das Programmieren auf spielerische Art testet.

Schulleiter Frank Hamann: "Viele Unternehmen beklagen derzeit Fachkräftemangel. Wir tun etwas dagegen und wecken das Interesse an Technik durch motivierenden Unterricht. Damit fördern wir das Verständnis neuer Technologien. Die Schüler bauen keine Ängste vor der Technik auf und interessieren sich eher für eine Ausbildung im IT-Bereich."

Ein halbes Jahr lag wird ein Microsoft-Mitarbeiter das Programmier-Projekt im Informatik-Unterricht an der Seeschule betreuen. Diese Betreuung und das Unterrichtsmaterial sind kostenlos. Projektmanager Uwe Baumann meinte vor den 34 Zwölftklässlern: "Programmierer haben das Image von Jungs, die im Keller hocken und auf Bildschirme starren. Aber ihr werdet sehen, dass Programmieren richtig Spaß macht und anschaulich sein kann. Das ist nicht nur was für abstrakte Denker."

Am Ende des halben Jahres soll jeder Schüler in der Lage sein, die Ameisen so zu programmieren, dass sie gemeinsam Äpfel transportieren, anderen Ameisen zeigen, wo es Futter gibt und gemeinsam gegen gefräßige blaue Käfer kämpfen. Wer das meiste Futter sichert, hat die meisten Punkte und gewinnt.

Philipp war bereits vor Monaten auf das Simulationsspiel im Internet aufmerksam geworden und beherrscht es mindestens genau so gut wie sein Lehrer Knut Bittner. Der gibt gerne zu: "Das ist schon was anderes als Programmierung mit Zahlenkolonnen! Mich hat's selbst gepackt. Ich habe fast die gesamten Weihnachtsferien damit zugebracht."

Während normalerweise das Fach Informatik ab der 9. Klasse unterrichtet wird, ist das an der Seeschule Rangsdorf ab 7. Klasse so.