Rangsdorf: Ein wichtiger Bestandteil der Genshagener Schriftstellerwochen, zu denen seit 1998 französische und seit 2005 such polnische Autoren eingeladen werden, sind Lesungen in Brandenburger Schulen. Kürzlich besuchte die französische Schriftstellerin Fabienne Swiatly die Oberstufenschüler der Rangsdorfer Seeschule. Die Autorin, die mit ihren Werken einen Akzent auf die Themen Arbeitswelt und Berufsleben setzt, wollte bei den Schülern die Lust am Lesen französischer Literatur und die Freude am eigenen Schreiben wecken.
Die Schüler des Grundkurses Französisch der 12. Klassen hatten sich auf den Besuch gut vorbereitet. Sie hatten gemeinsam mit ihrem Lehrer Dirk Hofmann das erste Kapitel des Romans von Fabienne Swiatly "Gagner sa vie" ("Sein Leben verdienen") gelesen. Das Buch, das im vergangenen Jahr erschien und in Frankreich begeistert aufgenommen wurde, beschreibt in einer klaren, präzisen Sprache den Werdegang eines Mädchens, das seinen eigenen Weg in einer stark veränderten Arbeitswelt sucht. Die Kluft zwischen den eigenen Ansprüchen und der Realität reflektiert Fabienne Swiatly ohne Bitternis und voller detaillierter Erinnerungen.
Denn es handelt sich bei dem Roman um eine Autobiografie. Das erfuhren die Schüler von der Schriftstellerin, nachdem sie das zweite Kapitel vorgelesen hatte.
Sie beschreibt darin ihre Erfahrungen als Tochter einer lothringischen Arbeiterfamilie, die gern schon bei ihrem Besuch des staatlichen Gymnasiums eine literarische Richtung eingeschlagen hätte. Doch ihre Aufsätze enthielten zu viele Fehler. So wurde sie in den Bereich Handel und Verwaltung gedrängt, fühlte sich wie eine Versagerin und interessierte sich überhaupt nicht "für die Feinheiten der Buchführung".
Von den Schülern befragt, wie ihre schulische Entwicklung endete, berichtete Fabienne Swiatly von den wenigen Lehrern, die an ihre Schüler glaubten und nicht über die Träume der Jugendlichen lachten. Letztlich machte sie keine Abiturprüfung und unternahm stattdessen Reisen. Dass sie nun doch als Schriftstellerin vor der Klasse stand, machte den Schülern Hoffnung und gab ihnen den Mut, an die eigenen Träume zu glauben.
Im Gespräch mit den Schülern erzählte sie auch von ihren vier Kindern, die alle keinen literarischen Weg einschlugen und sie niemals auf ihre Bücher angesprochen haben. Vielleicht werden sich die Enkelkinder der Französischen Autorin für ihre Werke interessieren.
Im Rahmen einer kreativen Schreibwerkstatt konnten die Schüler im Anschluss ihrer eigenen Phantasie Raum und Worte geben. Sie suchten sich einen Beruf aus und listeten die typischen Tätigkeiten dazu auf. Diese Arbeiten lasen die Schüler vor, Mitschüler und Fabienne Swiatly suchten dazu den passenden Beruf. Vor allem die Beschreibung der Arbeit eines Französischlehrers erzeugte Heiterkeit im Klassenzimmer.
Von dieser kreativen Öffnung des Unterrichts waren nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer Dirk Hofmann begeistert: ,,Die Literatur wird so ganz anders vermittelt. Fabienne Swiatly schafft Nähe durch ihre Art."
Nach ihren ausgezeichneten deutschen Sprachkenntnissen befragt, antwortete sie mit einem poetischen Text. In dem Werk "Stimmlos/Sans voix" beschreibt sie, warum es ihr schwer fiel, die deutsche Sprache ihrer Mutter zu sprechen. Mit einer deutschen Mutter und einem polnischen Vater stieß sie in Frankreich auf zahlreiche Vorurteile, die sie "stimmlos" werden ließen. Sie widmete ihre Poesie ihrer Muttersprache, dem Heimweh ihrer Mutter und dem Zwiespalt, mit dem zu leben sie lernen musste.
Beeindruckt von den persönlichen Einblicken zeigte sich die Schülerin Vivien Pollow. "Es war sehr interessant, eine französische Schriftstellerin kennen zu lernen, die ihr Leben literarisch ausgedrückt hat. Und es hat Spaß gemacht, die Sprache anders als im Unterricht vermittelt zu bekommen", sagte sie.
