Rangsdorf: Das brandenburgische Bildungsministerium wird die Einrichtung einer privaten Kreativitäts-Grundschule in Rangsdorf zum Schuljahr 2007/08 wohl nicht genehmigen. Der offizielle Bescheid steht zwar noch aus, aber Schulleiter Frank Hamann hat seit wenigen Tagen ein entsprechendes Fax vom Ministerium auf dem Tisch. Demnach besteht kein öffentliches Interesse an der Erprobung und Fortentwicklung des pädagogischern Konzepts der Kreativitäts-Grundschule. Es basiere auf einer vierjährigen Grundschule, ein Schulwechsel aufs Gymnasium wird als problematisch eingeschätzt.
"Diese Argumente stimmen nicht und sind relativ leicht zu widerlegen", ärgert sich der Schulleiter. Es gebe sieben Grundschulen in Deutschland, die nach dem von Professor Hans-Georg Mehlhorn entwickelten Konzept arbeiten und großen Zulauf hätten. Die wissenschaftliche Begleitung habe gezeigt, dass 97 Prozent der Schüler zur gymnasialen Oberstufe gingen. Hamann ist sich sicher: "Die Landesregierung will die weitere Gründung von Privatschulen abbremsen. Sie ist politisch nicht gewollt. Klar, in der schwierigen demografischen Situation, da staatliche Grundschulen schließen müssen, möchte man vermeiden, dass immer mehr Eltern ihre Kinder auf private Schulen schicken. Aber dieses Bestreben hat keine gesetzliche Grundlage und wird deshalb nicht offiziell als Begründung angeführt."
Hamann hat den Landrat in einem Brief um Unterstützung gebeten und für nächste Woche einen Termin beim Bildungsministerium erhalten. Hoffnungen auf eine plötzliche Kehrtwende in Potsdam macht er sich aber nicht: "Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass die Grundschule im August in Betrieb geht."
Trotzdem will der Träger der privaten Seeschule Rangsdorf, der Verein Freie Stadtrandschulen Berlin-Brandenburg, weiter kämpfen. "Gegen den Bescheid werden wir Widerspruch einlegen. Wenn der ebenso haltlos begründet wird, sind die Juristen an der Reihe", sagt der Schulleiter, der auch Vorstand des Trägervereins ist.
Das Kuriose: Das Ministerium hat im Jahre 2002 schon einmal eine Kreativitäts-Grundschule in Nauen genehmigt, war also von deren pädagogischem Wert durchaus überzeugt. Für die 1. Klasse gibt es 30 Anmeldungen und weitere 144 Elternanfragen. Die Grundschule soll zunächst eine Etage des zum Schulhaus umgebauten Kinos nutzen. Vier arbeitslose Grundschullehrer wurden eigens für das Kreativitätskonzept ausgebildet. Ein Schulneubau ist ins Auge gefasst. Personal, Räume, die Startinvestition und das Elternengagement - alles ist da. Wir geben nicht auf und lassen es notfalls auch auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen", kündigte Frank Hamann an.
Der Erfolg der Seeschule, die auf knapp 200 Gymnasiasten angewachsen ist und die im Sommer die ersten 13 Abiturienten ins Leben entlässt - alle haben das Abitur geschafft - gibt Selbstbewusstsein.