Diedersdorf: Glücklich und sehr verliebt ist die hübsche Nephthys, Dienerin des ägyptischen Pharaos Echnaton. Voller Sehnsucht und Melancholie wünscht sie die Hochzeit mit ihrem verlobten Hares dem jungen Fellachen herbei. Wenn da nicht der hohe Priester Haremhab wäre, der, verführt durch die Schönheit der jungen Dienerin, dem Eheglück einen Strich durch die Rechnung macht.
"Vom Sande verschüttet" heißt das Musical, welches Schüler der Seeschule Rangsdorf zusammen mit ihrem Musiklehrer Eunan Tobin in den vergangenen beiden Tagen zur Premiere auf die Bühne gebracht haben. Eng an eng saßen Eltern, Großeltern und Lehrer der jungen Akteure in der Markthalle von Schloss Diedersdorf. Der Vorhang öffnete sich und da standen Pharao Echnaton und seine Gemahlin Nofretete, der hohe Priester Haremhab und natürlich die Wächter, Diener und Marktleute wie sie in der Zeit des alten Ägyptens im Jahre 1360 vor Christus typisch waren. Aber auch Figuren anderer Epochen wie beispielsweise zwei schwedische Touristen tauchten im Liedertheater auf.
Authentischer hätte die Kostümierung der Schauspieler nicht sein können und auch das Bühnenbild erweckte den glaubhaften Eindruck man befände sich direkt auf dem Markt von Theben. Die gelungene Ausstattung und allem voran die Leistungen der Bühnenkünstler machten die Handlung des "Juniormusicals" noch greifbarer. So wurde zum Beispiel der hohe Priester von Felix Neumann blendend in Szene gesetzt. Mit seiner rauen und betont strengen Stimme hauchte er der Figur leben ein. Spontan habe er sich dazu entschlossen, an der Musical-Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen, sagt der Zwölftklässler und meint: "Ich dachte mir man kann es ja einfach mal probieren. Es lief ganz gut und dann bin ich natürlich dabeigeblieben."
Vor der Autorität des Priesters kann sich Nephthys, überzeugend gespielt von Lisa-Marie Kurtze, kaum verwehren. Die junge Dienerin muss Haremhab heiraten. Die Machtlosigkeit von Hares, Nephthys' Verlobten, bringt Tatjana Schröder sehr gut auf die Bühne. In den gemeinsamen Szenen von Hares und Nephthys wäre die Rolle des Fellachen vielleicht noch authentischer mit einem männlichen Darsteller besetzt gewesen.
Den Wendepunkt im Geschehen führte der rappende Grieche Odysseus herbei. Mit modernem Sprechgesang tritt der Spieler und Zocker in das Geschehen. Während der Hochzeitszeremonie wartete er auf den passenden Moment den Priester mit Pfeil und Bogen ins Jenseits zu befördern. "Unseren Rapper Christoph Jonas haben wir recht kurzfristig ins Boot geholt. Er hat die Geschichte perfekt ergänzt", erklärt Tim Kordes, der zusammen mit Eunan Tobin die Musik für das Stück geschrieben hat. Auf der Bühne spielte er die Rolle des Kochs Muhkuh. "Die Figur eines Kochs gibt es ja relativ selten in Musicals wie diesem", erzählt der Schüler. "Das war auch einer der Hauptgründe warum ich diesen Charakter gewählt habe. Bei der Figur des Odysseus oder den schwedischen Touristen ist das ähnlich." Auf Musicalfahrten, zum Beispiel nach Hermsdorf, haben die Akteure improvisiert und erste Szenen geprobt. "Das Interesse auf einer Bühne zu stehen und zu spielen stand ganz am Anfang", erläutert Tim Kordes das Konzept. "Die Figuren und die Geschichte entwickelten sich erst im Laufe der Zeit."
Einige Jahrhunderte zu früh mischte sich dann noch eine weitere Person in die Geschichte des Musicals ein. Ein römischer Centurio krachte während der Hochzeit plötzlich durch die Wand und sorgte für Unruhe. Der Centurio war niemand geringeres als Regisseur Eunan Tobin selbst. Abgelenkt vom Durcheinander konnte nun auch der hohe Priester von Odysseus überwältigt werden.
