Märkische Allgemeine Zeitung, Gudrun Schneck
12. Mai 2004
 
Wo einst Rühmanns Auto stand
Drei Baustellen auf dem Gelände des Privatgymnasiums Rangsdorf

Bernd Knappe (links) und Manuel Haiasch vom Bau Luckau wirken am Ausbau des Aeroclubs auf dem Gelände der Seeschule Rangsdorf mit. (Foto: Klaus Schlage)

Rangsdorf: Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre soll Heinz Rühmann seinen Wagen manches Mal in die Garage des Aeroclubs am Rangsdorfer See gefahren haben. Der Schauspieler und Hobby-Flieger ging dann hinüber zum Flugfeld und bestieg seine "Motte". Im August wird das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wieder so aussehen, wie Rühmann es kannte. Wenn das neue Schuljahr beginnt, müssen Rekonstruktion und Ausbau des künftigen Schulhauses des Rangsdorfer Privatgymnasiums "Schule am See" abgeschlossen sein.

Im Moment gibt es zwei, bald sogar drei Baustellen auf dem Gelände der Bildungseinrichtung. Den größten Lärm macht der Abbruch des Kinos. "Dieser Krach ist Musik in meinen Ohren. Als sich baulich noch nichts tat, hat mich das nervöser gemacht", gesteht Schulleiter Frank Hamann. Er rechnet im August mit 140 Schülern, derzeit sind es 112. Um sie unterzubringen werden der Schulneubau anstelle des Kinos, der Aeroclub und die neuen Internatsgebäude und Wohnhäuser für Erzieher dringend benötigt.

Noch läuft der Unterricht im Turnhallengebäude (in dem sich auch Klassenräume, Sekretariat und Speiseraum befinden) und in Containern.

Allein um den Aeroclub denkmalsgerecht herzurichten, wird der Bauträger "Freies Internat und Gymnasium Rangsdorf & Co KG" mit Sitz in Braunschweig 1,4 Millionen Euro investieren. Stuckdecken, Eichenparkett, Heizungsnischen, Fensterläden und das riesige Fenster an der Stirnseite - alles muss möglichst genauso aussehen wie vor 68 Jahren, als "Deutschlands schönster Sportflughafen", wie damals eine Zeitung schrieb, eröffnet wurde.

Im Keller plant die Seeschule eine Holzwerkstatt. Die Arbeitsgemeinschaft Segeln wird dort an Ruder- und Segelbooten werkeln. "ß“ber ein Förderprogramm des Bundes für Ganztagsschulen wollen wir Geld für die Ausstattung dieses Kellers beantragen", sagt der Schulleiter. Begeistert erzählt er, dass der gesamte Aeroclub unterkellert ist. "Da können sich die Jugendlichen Hobbyräume einrichten. Aber Fertiges werden wir ihnen nicht vorsetzen. Da sollen sie selbst aktiv werden."

Im April gründeten engagierte Eltern einen Förderverein Seeschule. Er nimmt sich vor, das Anlegen eines Sportplatzes mit kleiner Arena und Laufbahn zu forcieren - sobald die Lerncontainer verschwunden sind. Die Planung läuft schon. "Lernen im Grünen" ist übrigens nicht nur ein Schlagwort, mit dem die Seeschule für ihren günstigen Standort zwischen Wald und See wirbt - es gibt im Schulgelände tatsächlich "Klassenzimmer" mit Bänken unter alten Bäumen für Freiluft-Unterricht bei schönem Wetter.