
Die Störche können kommen - extra für sie wurde ein Mast in der Nähe des Rangsdorfer Sees aufgestellt. (Foto: Ursula Czerlinski)
Rangsdorf: Noch ist der Horst leer, aber wenn Ende März oder spätestens Anfang April die ersten ihrer Art einfliegen, wären sie eine wirkliche Attraktion. Auf der geschützten und nur von Schafen genutzten Wiese zwischen dem Uferweg des Rangsdorfer Sees und dem Aero-Club, der auf dem Gelände der privaten Seeschule liegt, wurde jetzt ein Mast für ein Storchennest aufgestellt.
Die Idee stammt vom ehemaligen Biologielehrer Volker Lerbs, der die Tier-AG der Seeschule Rangsdorf leitet. Der Mast, zwei Meter tief in die Erde versenkt und acht Meter hoch, wurde samt Aufstellung vom Energieunternehmen Edis gesponsert. Obenauf befindet sich eine spezielle Unterlage aus verzinktem Eisen, in die Schüler Weidengeflecht eingearbeitet haben. Zwei bis drei solcher Masten stellt die Edis jährlich auf, erklärte Bauleiter Mario Oswald.
Ob Störche wirklich hierher kommen und sogar brüten werden hängt allerdings von verschiedenen Voraussetzungen ab. Die Lage des Nestes sei gut, meint Bemd Ludwig. "Von drei Seiten ist ein freier Anflug möglich und der Wind von Nord und Nordwest wird abgehalten", erläutert der Rangsdorfer, der ehrenamtliclier Leiter der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im Naturschutzbund (NABU) Brandenburg ist. Stimmen muss aber auch die Thermik. Dann könnten die Störche, die nicht gerne direkt über den See kommen, sondern zumindest die schmalste Stelle suchen, von Süden her einfliegen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Nahrungslage. Eigentlich sollte sie auf der gegenüber liegenden Seite des Sees gut sein. Doch die Störche haben es hier schwer: Bereits jetzt gibt es zu wenig Regen und die Schneeschmel war gering. Gibt es wie 2003 einen heißen Sommer drohen trockene Wiesen. Auch die intensive Monokultur der Landwirtschaft und der Rückgang der Feldmauspopulation schaden den Störchen. Und nicht zuletzt Abschuss und Stromleitungen stellen, so Ludwig, eine Bedrohung dar.
Bisher fanden sich Weißstörche am Rangsdorfer Stadtweg, in Dabendorf und in Groß Machnow ein. Doch je weniger Nahrung es gibt, desto größer müssen die Reviere sein. Ganze Storchendörfer wie etwa in Linum mit seinen Fischteichen sind nur da möglich, wo die Nahrungslage es erlaubt, so Ludwig. Helfen könnte in der hiesigen Gegend, wo früher sogar die Großtrappe anzutreffen war, eine Renaturierung der Zülowkanalniederung, die, so Ludwig, bereits mit den Experten von Natur und Text vorbereitet wurde.
Ob 2004 ein Weißstorchjahr wird? Das hängt auch davon ab, ob es einen Zugstau gibt - was wiederum mit dem Wintereinbruch in Spanien und der Türkei zu tun hat. Störche, die Gebiete westlich der EIbe ansteuern, nehmen die Route über Spanien. Jene, die östlich der Elbe landen, fliegen von Afrika über den Bosporus und die Türkei. Während 2002 noch 1370 Brutpaare ins storchenreichste Bundesland Brandenburg kamen, waren es 2003 ganze 50 Paare weniger, bedauert Bernd Ludwig.
Sollten sich Störche am See einfinden, hätten nicht nur die Schüler und Lehrer der Seeschule Spaß an der Beobachtung, sondern auch die Spaziergänger am See - und zwar den ganzen Sommer lang. "Jungstörche bleiben meist bis Mitte August, ältere bis Ende August", erklärt Bernd Ludwig. Und vielleicht kommen sie wieder. Störche haben eine Lebenserwartung von etwa 20 bis 30 Jahren.