Märkische Allgemeine
11. November 2003
 
Zu den ehemaligen Bücker-Werken in RANGSDORF
Stellungnahme der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG)in der MAZ vom 16.Oktober: Muss sich Denkmalschutz wirtschaftlich rechnen? Oder: Eigentum verpflichtet!

Der einzige Punkt mit dem wir als historisch interessierte Rangsdorfer Bürger ein Problem haben, ist die geplante Vernichtung von Denkmalen. Dieses Industriedenkmal ist in Deutschland einzigartig; das modernste Flugzeugwerk seiner Zeit ist heute ein Zeugnis der damaligen Industriearchitektur, welches im Gesamtensemble aus den Bücker-Werkswohnungen in der Walter-Rathenau-Straße, dem Bücker-Verwaltungsgebäude, dem Kasino („Kameradschaftshaus“), der Produktionshallen I, II und III, der Einfliegerhalle und des Flugfeldes, auch heute noch etwas besonderes ist. Es sind noch alle wesentlichen Bauten des ehemaligen Bücker-Werkes erhalten. Dazu gehören auch untrennbar die direkt an das Flugfeld grenzenden Hallen mit ihren großen Schiebetoren und den direkt davor liegenden befestigten Abstellflächen, die an das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Gras-Flugfeld des ehemaligen Rangsdorfer Flugplatzes grenzen.

Als Begründung für den geplanten Abriss der unter Denkmalschutz stehenden Bauten führt Herr Bähr in seinem Leserbrief an, dass das Hauptproblem dieses Entwicklungsprojektes die Ansiedlung von Investoren sei. Diese Begründung möchten wir gerne hinterfragen. Eine Unverwertbarkeit der Gebäude sehen wir nicht – so gab es in den letzten Jahren viele Interessenten für die unter Denkmalschutz stehenden Hallen, sowohl in der Zeit als das Gelände in Bundeseigentum war, als auch danach. So bemühten sich Rangsdorfer Firmen nach Abzug des russischen Militärs um die Nutzung der Objekte. Hier seien stellvertretend Schulz-Reisen, Dach-Grassmann und Kreuzenstein genannt.

Gewerbe passte nicht in das Konzept

Zum damaligen Zeitpunkt passte jedoch die Ansiedlung von Gewerbe dem Bund nicht ins Konzept. Jahrelang wurde davon gesprochen auf den Flächen zwischen Bücker-Werk und Rangsdorfer See Wohnbauten für Bundesbedienstete zu errichten – ein angrenzendes Industriegelände hätte da gestört.

Nachdem 1999 das Eigentum des Geländes in das Sondervermögen des Landes Brandenburg überging, setzte man auf den hohe Gewinne versprechenden „kleinparzelligen“ Wohnungsbau auf der Konversionsfläche und favorisierte gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister die Neuansiedlung von Bürgern. Damit sollte die Höhe der Schlüsselzuweisung für Rangsdorf erhöht werden – in Zeiten knapper Kassen ein Trugschluss, wie sich heute zeigt. 2000 folgte der Versuch der Firmen Bücker-Flugzeugbau und Fahrzeugrestaurierung Rosenow, sich im Werk anzusiedeln. Auch unser Förderverein war daran interessiert historische Gebäude als Museum zu nutzen; es wurde eine Interessengemeinschaft gegründet. Die Firma Rosenow lies für mehrere tausend Euro Pläne zur Rekonstruktion einer heute zum Abriss vorgesehenen Halle erstellen, scheiterte jedoch an überzogenen Kaufpreisvorstellungen der BBG. Die Firma Bücker-Flugzeugbau scheiterte an der Notwendigkeit einen Werksflugplatz zu betreiben, um die gebauten Sportflugzeuge nach Schönhagen zum Einfliegen zu überführen.

Schlussendlich verließ die Firma Rosenow Rangsdorf, um in Glienick zu expandieren und als weltweit anerkannter Spezialbetrieb erfolgreich tätig zu sein. Bücker-Flugzeugbau ist weiterhin in Polen tätig und erhält im Rahmen des EU-Beitritts Fördermittel. Heute ist die Anzahl der Arbeitskräfte in beiden Betrieben schon höher als noch 2000 für die Zukunft erwartet wurde.

Bei aller Kritik möchten wir jedoch auch das Engagement der BBG bei der Erhaltung der ehemaligen Bücker-Werkssiedlung erwähnen. Hier wurden durch ein Wohnungsbauunternehmen denkmalgeschützte Gebäude vorbildlich saniert. Auch das unter Denkmalschutz stehende Haus des Deutschen Aero-Clubs befindet sich heute in der Sanierung, um die Räumlichkeiten eines Privat-Gymnasiums zu ergänzen. Ebenso ist zu erwähnen, dass es an einzelnen Gebäuden Sicherungsmaßnahmen gab. Trotz dieser Einzelerfolge wurde jedoch insgesamt zu wenig für den Erhalt der Denkmale getan. Die Summe von 300000 Euro für die Jahre 2000–2002 war nicht ausreichend, um das Gelände zu bewachen und die Gebäude vor dem Verfall zu sichern. Eigentum verpflichtet jedoch, und so hätte entweder ein größerer Aufwand für die Bestandssicherung betrieben werden müssen, oder man hätte sich frühzeitig mit Interessenten, wie etwa den oben genannten Firmen, einigen müssen um große Teile der Bauten vor dem Verfall zu retten.

Herr Bähr schrieb, dass den Kosten für die Bestandssicherung keine Einnahmen gegenüberstanden und somit höhere Ordnungsaufwendungen wirtschaftlich nicht vertretbar wären – hierbei wird jedoch übersehen, dass es zum einen sehr wohl Einnahmen aus dem Gelände gab, nämlich den Verkauf von Flächen an die Gewobag und die SEESCHULE RANGSDORF, und zum anderen, dass das Eigentum eines Denkmals zu dessen Erhalt verpflichtet, auch wenn sich das einzelne Denkmal im Moment nicht selbst wirtschaftlich trägt. Die BBG verwaltet und verkauft eine ganze Reihe von landeseigenen Liegenschaften; mit Sicherheit kann aus diesen Geschäften Gewinn erwirtschaftet werden, der zum Erhalt eines bedeutenden Industriedenkmals verwendet werden könnte.

Wirtschaftliche Gründe liegen vor

Herr Bähr schrieb, dass sich die BBG mit der Gemeinde über eine grundsätzliche Änderung der Verhältnisse verständigt hätte; wir hoffen, dass den Gemeindevertretern auch wirklich bewusst war, worauf man sich verständigt hatte. Aus diesem Grund freuen wir uns auch sehr über die im Leserbrief erstmalige offene Darlegung der rein wirtschaftlichen Gründe für den geplanten Abriss. Dies war nicht immer so; vorher wurden zum Beispiel in der Beschlussvorlage 100/03 zum Fördermittelantrag zur Erschließung des Geländes andere Gründe herangezogen, wie zum Beispiel eine Kontaminierung der ehemaligen Endmontagehalle durch eine frühere Galvanik. Kosten für die Entsorgung des belasteten Sondermülls der Endmontagehalle sind jedoch interessanterweise nicht geplant worden. In der Kostenaufstellung im Anhang finden sich jedoch Kosten für den Abriss der ehemaligen Sonderbau-Halle; eine Begründung für den Abriss wurde nicht gegeben und der Abriss dieser Halle wurde im Text nicht erwähnt. Diese Art der Darstellung trägt nicht zur Transparenz bei und es ist davon auszugehen, dass einigen derer, die für diese Beschlussvorlage gestimmt haben, nicht klar war, dass zwei denkmalgeschützte Hallen für den Abriss vorgesehen sind. In seinem Leserbrief vom 16.Oktober schreibt Herr Bähr, dass von acht Denkmalen die wichtigsten vier Gebäude erhalten werden und die restlichen drei abgebrochen werden sollen – ist uns da was entgangen?

Zum Abschluss schreibt Herr Bähr „Wenn... diese Entwicklung mit diesem unverzichtbaren Abbruchanteil verhindert wird, dann kann auf diesem Gelände überhaupt keine Verbesserung erwartet werden. Vermutlich wird es wegen Verfalls in überschaubarer Zeit keine Gebäude der Bücker-Werke mehr geben.“ Wir bedauern, dass die BBG die Notwendigkeit sieht, eine solche klare Drohung auszusprechen um ihrem Bemühen um eine Abrissgenehmigung Nachdruck zu verleihen. Wir hoffen, dass die Gesetze zum Denkmalschutz eine solche Vorgehensweise wirkungsvoll verhindern können.

Muss sich Denkmalschutz wirtschaftlich rechnen? Wir meinen: nein! Denkmale zu sanieren, zu erhalten und zu betreiben wird immer mit Kosten verbunden sein. So wird etwa auch der Brandenburger Dom jährlich mit großen Geldbeträgen bezuschusst. Trotzdem kommt niemand auf die Idee dieses Bauwerk abzureisen, weil es sich selbst wirtschaftlich nicht trägt. Durch den Erhalt der Denkmale wird unsere Geschichte und Kultur für die folgenden Generationen erhalten.

Die Karten sind neu gemischt

Im Vorfeld der Wahlen boten alle Rangsdorfer Bürgermeisterkandidaten an, zusammen mit allen Beteiligten – der BBG, dem Denkmalschutz, der Gemeinde, dem Kreis und den verschiedenen Rangsdorfer Interessensgruppen – ein Nutzungskonzept für das ehemalige Bücker-Werksgelände zu erarbeiten. Hierfür stehen wir im Interesse des Denkmalschutzes gerne zur Verfügung. Nach der Wahl sind nun die Karten im Rangsdorfer Parlament neu gemischt. Die Bedeutung von Bücker wie auch die Notwendigkeit von Gewerbe ist von den Fraktionen erkannt worden, waren Wahlprogramm. Gemeinsam wollen wir nun das Programm umsetzten und uns für den Erhalt aller Denkmäler durch eine sinnvolle Nutzung einsetzen.

Knut Hentzschel, 
Dr. Stefan Friedrichs, 
Förderverein 
Bücker-Museum 
Rangsdorf e.V.