Märkische Allgemeine, gs
22. März 2003
 
Schwänzen für den Frieden
Demonstrieren, diskutieren: Wie der Irak-Krieg den Schulalltag beeinflusst

ZOSSEN Mehr als 200 Mädchen und Jungen des Fontane-Gymnasiums Rangsdorf gehörten zu den zigtausend Schülern, die sich am Donnerstagvormittag zur Antikriegsdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz versammelten. „In den Augen des Bildungsministeriums ist das Schwänzen. Aber ich weiß auch, dass die Schüler ihre politische ß“berzeugung zum Ausdruck bringen wollen“, so Schulleiter Ditmar Friedrich. 

Massives Fehlen während der Unterrichtszeit gab es an der Gesamtschule Dabendorf nicht. „Die Abschlussarbeiten der zehnten Klassen stehen bevor, da haben die Schüler viel zu tun“, sagt der stellvertretende Schulleiter Klaus-Dieter Haner. Mehrere Dabendorfer Schüler hätten sich aber nach Schulschluss an dem Protestzug in Berlin beteiligt.

Am Privatgymnasium SEESCHULE RANGSDORF wählte jede Klasse zwei Leute, die die Schulleitung zur Teilnahme an der Demonstration freistellte. Gestern schilderten sie ihre Eindrücke den Mitschülern. 

Auch die Jüngeren beschäftigt das Thema. Karl-Heinz Hansche, Leiter der Grundschule Baruth: „An ganz normalen Unterricht ist nicht zu denken. Der Irak-Krieg lässt keinen kalt. Natürlich lassen wir den Lehrstoff nicht fallen, aber es muss auch mal 20 Minuten Zeit sein, um sich über dieses alle bewegende Thema auszutauschen.“

Schüler der neunten Klasse der Gesamtschule Sperenberg schlugen gestern im Deutschunterricht vor, unter den Sperenbergern eine Umfrage „Ist der Krieg gerechtfertigt?“ zu machen. Schulleiterin Ingeborg Rindt ermunterte sie dazu: „Da sind Empörung, Wut, Angst und Ohnmacht. Wir Lehrer müssen den Jugendlichen Gelegenheit geben, diese Emotionen zu verarbeiten, die Gedanken zu ordnen.“ Mehrere Schüler brachten ihre Meinung zu Papier. So schrieb Nico Oppermann: „Eigentlich ist der Krieg keine Lösung. Aber es muss etwas gegen Saddam Hussein unternommen werden. Der Geheimdienst der USA hätte ja ein Attentat gegen Hussein verüben können! Das Schlimme am Krieg ist, dass die Opfer meist Kinder und Zivilisten sind.“

Vier Schüler der Realschule Ludwigsfelde kamen gestern zu Schulleiter Hartmut Walter mit der Idee: „Wir könnten doch selbst eine Demo machen.“ Hartmut Walter findet das gut: „Ich freue mich, dass sich die Jugendlichen artikulieren möchten. Wir einstigen DDR-Bürger haben das relativ spät gelernt. Meine Schüler wollen auch andere Ludwigsfelder Schulen ansprechen, vielleicht wird es ja eine richtig große Sache.“