Märkische Allgemeine Zeitung, Elke Höhne
22. Februar 2003
 
Der Lehrer als Coach
Minister Steffen Reiche besuchte gestern das Freie Gymnasium Rangsdorf

Minister Steffen Reiche (rechts) mit Schülern des Freien Gymnasiums Rangsdorf und Schulleiter Frank Hamann im angeregten Gespräch. (Foto: Klaus Schlage)

Rangsdorf: Eigentlich hätte Frank Hamann guten Grund, optimistisch zu sein. Startete die Seeschule Rangsdorf im September 2001 mit gerade mal 23 Schülern, lernen jetzt in der Privatschule 67 Mädchen und Jungen. Ab dem nächsten Schuljahr rechnet der Schulleiter gar mit einer Zweizügigkeit von der Klassenstufe sieben bis zehn. Der Bedarf ist da, und bis zum Herbst soll auch das Hauptgebäude, der ehemalige Aero - Klub, mit Mensa, Aula und Klassenräumen fertig sein.

Doch jetzt sieht die Existenz der Einrichtung, die der Verein Neue Schule Nauen betreibt, auf dem Spiel. "Mit der Giftliste der Landesregierung sollen zukünftig die Personalkosten weniger gefördert werden. Das bedeutet, dass wir langfristig das Schulgeld erhöhen müssen", befürchtet Frank Hamann. Doch trotz gemeinsamen Wirkens im Landtag konnte ihm gestern sein Freund Steffen Reiche die Hiobsbotschaft leider nur bestätigen. "Die Kürzung wird kommen, so leid es ihm tut", erklärte Brandenburgs Bildungsminister während seiner Visite im freien Gymnasium.

Er versprach, sich für ein Schülerticket im Verkehrsverbund Berlin - Brandenburg stark zu machen, denn die Eltern müssen die Fahrkosten für ihre Kinder selbst aufbringen. Sein Rat, sich investive Aufwendungen über die geplante Bundesförderung für Ganztagsschulen unterstützen zu lassen, fand bei Schulleitung wie Eltern Interesse. "Das Programm wird bis zum Jahr 2007 mit 130 Millionen Euro gefördert", erläuterte der Minister, der seine Sympathie für freie Schulträger nicht verhehlte und gern hörte, dass die Eltern die Rangsdorfer Schule lobten. Sie sehen dort für ihre Kinder gute Chancen, sowohl während des Unterrichts als auch danach. Die Schüler überraschten gestern den Bildungsminister nicht nur mit einem festen Händedruck, wie Steffen Reiche anmerkte, sondern mit selbstbewussten Fragen zum Abitur, zu Zwischenprüfungen, aber auch zu Schüler-Bafög oder Rechtsradikalismus an Brandenburgs Schulen. "Die besten Lehrer seid ihr selber, nämlich wenn ihr euch untereinander etwas erklärt", machte Reiche den Schülern Mut, selbst Initiativen zu ergreifen. Er griff die Idee einer projektorientierten Lehrplanentwicklung der stellvertretenden Schulleiterin Christiane Goltz auf . Im pädagogischen Landesinstitut in Ludwigsfelde soll sich dazu eine Arbeitsgruppe bilden. Denn am liebsten wäre es Steffen Reiche, alle Schulen zu schließen und sie gleichermaßen als Lehrwerkstätten wieder zu öffnen, "und zwar mit dem Lehrer als Coach".