
Die ersten Schüler probierten die Computer gleich aus. Zu ihrem ersten Geburtstag hatte die Seeschule Rangsdorf 14 neue Rechner von dem Vater eines Schülers gespendet bekommen.
Rangsdorf: 14 neue Rechner stehen im Computerkabinett der Seeschule Rangsdorf, gespendet anlässlich des einjährigen Bestehens der Schule, eine von drei privaten Ganztagesschulen, die vom Verein Die Neue Schule Nauen getragen werden. Am Freitag gab es deshalb Grund zum Feiern für Lehrer, Schüler, Eltern und Interessierte.
66 Schüler besuchen derzeit die Schule auf dem 16 Hektar großen Gelände am Rangsdorfer See, 13 Schüler wohnen wochentags im Internat, das von einem Sozialpädagogen geleitet wird.
Begonnen hatte der Unterricht im September 2001 in Ersatzräumen, da die neuen Gebäude nicht fertig waren. Diese Startphase war, so Schulleiter Frank Hamann, am schwierigsten. Inzwischen unterrichten elf Lehrer zwei siebte Klassen mit zwölf und 14 Schülern, eine achte mit 19 und eine neunte Klasse mit 20 Schülern.
Lernen am See in kleinen Klassen beinhaltet neben den üblichen Unterrichtsfächern ein breites Sprachenangebot. Zum Englischunterricht, der später zum bilingualen Unterricht ausgebaut werden soll, der zweiten Fremdsprache Latein oder Französisch, soll Spanisch, bisher als AG angeboten, hinzukommen. Auch der Informatik-Unterricht kann jetzt ausgebaut werden.
Der Sohn von Erik Misler, Geschäftsführer der Cora Handelsgesellschaft, die die PCs gespendet hat, besucht das Internat. Hausaufgabenbetreuung, AGs (Segeln, Schafe, später Reiten) und andere Freizeitaktivitäten kann er hier nutzen. "Der Junge hat sich innerhalb eines Jahres total verändert, er lernt und hat neue Ideen", meint der Vater.
Zum Konzept der Seeschule, der Traditionen der Reformpädagogik verbunden, gehören die Erziehung zu "Toleranz, Teamgeist, internationalem Denken und der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen", so die Pressemitteilung.
"Nahezu gewaltfrei", ginge es hierzu, bestätigt der 13-jährige Benedikt, ganz anders als in seiner alten Schule in Berlin-Neukölln. Der Siebtklässler und Optimist-Segler mag die lockere Lernatmosphäre, die netten Lehrer und die Ausgleichsstunde nach der vierten Unterrichtseinheit, die Möglichkeit zum Sport bietet. Dafür nimmt er auch das frühe Aufstehen und den langen Weg in Kauf. Förderstunden für starke Schüler, ebenso für solche mit Schwächen, etwa Legastheniker, gehören ebenfalls zum Angebot.
"Natürlich vermitteln wir Wissen", sagt Schulleiter Frank Hamann, aber wir bereiten die Schüler auch auf das Leben vor". "Jeder soll sich wohl fühlen", ergänzt die stellvertretende Schulleiterin Christiane Goltz. "Hier kann man als Lehrer Ideen verwirklichen", sagt sie, die mit Schülern zum Segeltörn nach Mallorca fährt.
"Wir stehen zu freien Schulen", betont Carola Hartfelder (CDU), Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport im Landtag. Zweizügig soll es hier bis zum Abitur weitergehen, für bis zu 350 Schüler.
"Dieses pädagogische Ganztagskonzept suchen mehr und mehr Eltern", betont Frank Hamann, der eine zweite achte Klasse hätte eröffnen können. Jedoch: Es gibt erst vier Klassenräume, der ehemalige Aero-Club mit Bibliothek und Mensa wird frühestens zum Schuljahr 2003 fertig werden. Drei weitere Gebäude sind geplant.
Eine solche Schule hat ihren Preis: 400 Euro monatlich zahlen Ganztags-, 1320 Euro Internatsschüler. Die Nachfrage scheint jedoch Konzept und Leistung der Seeschule zu bestätigen.