Märkische Allgemeine, gs
25. Oktober 2001
 
Privatgymnasium noch in der Baracke Morgen ist Bauabnahme für die Rangsdorfer SEESCHULE
Trotz Provisorien gute Stimmung

RANGSDORF Acht Wochen nach Start des ersten Privatgymnasiums im Landkreis herrscht unter Schülern und Lehrern offenbar gute Stimmung – aber unterrichtet wird in einer Baracke. 

In Schulgebäude und Internatshäusern der SEESCHULE RANGSDORF arbeiten noch die Bauleute. Morgen soll nun die ursprünglich für Anfang September angesetzte Bauabnahme sein. Nach den Herbstferien beziehen die 24 Gymnasiasten die Klassenräume im sanierten Unterrichts- und Turnhallenbau auf dem Ex-Militärgelände am Rangsdorfer See. Dort entstanden auch die beiden Internatshäuser. Zwei Mädchen und drei Jungen werden die ersten Bewohner sein. Die übrigen Schüler fahren täglich nach Hause. 

„Wenn auch alles noch etwas provisorisch in einer Baracke in der Friedensallee abläuft, sichern wir doch den Unterricht voll ab – selbst Latein, obwohl es derzeit nur drei Teilnehmer gibt“, versichert Schulleiter Frank Hamann. 

Die geringe Klassenstärke – jetzt lernen in der 7. und 8.Klasse je zwölf Jugendliche – hatte wohl etliche Eltern bewogen, ihre Kinder in Rangsdorf anzumelden. Willi erzählt: „In meiner alten Klasse waren wir 30 Mann. Da kriegt man kaum noch mit, was der Lehrer erklärt. Erst war ich ja sauer, als mich meine Eltern hierher geschickt haben. Jetzt gefällt’s mir. Die Lehrer sind nett. Ich will in die Arbeitsgemeinschaft Segeln gehen.“ Bei Paul war es die Oma, die wollte, „dass ich mehr aus mir mache“. Auch er hat sich eingelebt. Ein bisheriger Mitschüler fragte: „Biste jetzt was Besseres?“ Pauls Eltern und die der anderen Ganztagsschüler zahlen 750 Mark im Monat an den Schulträger „Neue Schule Nauen e.V.“, bei Internatsschülern sind 2500 Mark fällig. Anke und Vivien werden ein Internatszimmer teilen. Anke: „Ich war sauer, weil mich meine Eltern aus der gewohnten Clique rausrissen. Inzwischen freu’ ich mich richtig aufs Internatsleben.“ Viviens Eltern hoffen auf bessere Zensuren ihrer Tochter. Sie selbst meint skeptisch: „Die Leute hier sind okay, aber Berlin fehlt mir. Mal sehn, wie lange ich es aushalte.“

Internatsleiterin und Lehrerin Christiane Goltz sprüht vor Elan: „Dies ist genau, was ich wollte – nicht einfach 150 Kinder unterrichten und sie gar nicht richtig kennen. Hier kann ich eine Vertrauensbasis aufbauen. Ich freu’ mich drauf, werde auch die AG Segeln leiten. Zwei Segelboote stellen mein Mann und ich der Schule zur Verfügung.“ 

Der zwischen Gemeinde und Investor des Privatgymnasiums vereinbarte Straßenausbau kam noch nicht zustande. „Weil Baumwurzeln gekappt worden wären, war die Forstbehörde nicht mit der zunächst geplanten Behelfs-Bitumendecke einverstanden“, so der Schulleiter.