Märkische Allgemeine Zeitung, Markus Schünemann
31. Mai 2001
 
Lernen im alten Aero - Club
Am 1. September öffnet die Seeschule Rangsdorf als Privat - Gymnasium

Schulleiter (noch) ohne Schule: Frank Hamann auf den Stufen des künftigen Privat - Gymnasiums Seeschule Rangsdorf. Die ersten drei Gebäude sollen bis zum 1. September stehen. FOTO: KLAUS SCHLAGE

Rangsdorf: Fabian Fess ist ein Pionier. Ab dem 1. September 2001 wird der 13-jährige Berliner als Ganztagesschüler das erste und einzige freie Internat und Gymnasium Brandenburgs besuchen - die Seeschule Rangsdorf. Gestern war Fabian mit Mama und Papa Fess vor Ort, auf dem traditionsreichen Gelände des ehemaligen Aero-Clubs. Der Trägerverein "Die Neue Schule Nauen" hatte zum Baufest geladen. Die ersten drei Gebäude stehen fast im Rohbau.

Fabian hat, die Bauarbeiten kritisch beäugt und ist's zufrieden: "Da hinten ist es ja noch ziemlich verwüstet, aber hier vorne sieht's schon sehr gut aus." Zum Schuljahrsbeginn 2001/2002 wird die Seeschule Rangsdorf zunächst mit zwei siebten Klassen und einer achten eröffnen. Pro Jahr kommen zwei weitere Klassen hinzu, sodass 2007 eine Stärke von 13 Klassenstufen mit rund 300 Schülern erreicht wird.

Zwei der ersten drei Gebäude sind Schülern vorbehalten. 16 und 24 Gymnasiasten sollen in den Häusern "Unterschlupf" finden. Im dritten, kleineren Gebäude wohnt Internatsleiterin Christiane Goltz. Zusammen mit drei Stammlehrern soll sie ab September das "reformpädagogische Konzept" umsetzen. "Wir lehren eine ganzheitliche Erziehung, die Einheit von Kopf, Herz und Hand", doziert Wolf-Dieter Hasenclever, Vorsitzender der Trägervereins. "Soziale Verantwortung steht auf dem Lehrplan ganz oben." Die Eltern können zwischen zwei Erziehungsformen wählen. Für eine Ganztagesbetreuung bis 16 Uhr zahlen sie 750 Mark im Monat, das Internat, kostet 2500 Mark pro Monat.

Trotz stimmiger Konzepte war und ist das Projekt Seeschule ein schwieriges. "Einer der Gründe liegt in der Finanzierung", sagt Wolf-Dieter Hasenclever. Das ist heute nur noch durch Partnerschaften mit der freien Wirtschaft möglich. Der Trägerverein suchte und fand diesen Partner in einer Frankfurter Investorengemeinschaft, die unter dem Namen "Freies Internat und Gymnasium Rangsdorf GmbH" firmiert. Deren Vorsitzender Ferdinand Schneider sieht die Seeschule auf einem guten Weg: "Die schwierige Zeit für private Schulprojekte sind die ersten zwei Jahre, in denen keine staatlichen Förderungen gewährt werden. Aber wir haben bereits vorfinanziert, Schwierigkeiten sind nicht zu erwarten". Auch Schulleiter Frank Hamann ist in Aufbruchstimmung: "Ab 1. September werden wir Schule machen. Das wird ein großes Abenteuer". Soviel Zuversicht wirkt ansteckend. Sein künftiger Schützling Fabian lächelt: "Ich bin neugierig". Und seine Zahnspange blinkt.