Sehr geehrte Abiturienten,
Sie haben um einige Worte für den neuen Weg, der vor Ihnen liegt, gebeten. Lassen Sie mich also zum Schluss kommen:
Gestern erhielten Sie Ihre Reifezeugnisse und damit endete der Teil Ihres Lebens, über den Sie am wenigsten selbst bestimmen konnten.
Eltern, Großeltern, sorgende Verwandte und Unmengen von Lehrern entschieden für Sie, was das Beste, das Notwendige, das Gute sei, und Sie hatten dies zu akzeptieren und danach zu handeln.
Heute feiern Sie das Ende dieses Lebensabschnittes, freuen sich über die vor Ihnen liegenden Möglichkeiten, sind mit Recht stolz auf das Abitur, das Sie abgelegt haben, fragen sich vielleicht auch, ob Sie für die Verwirklichung Ihrer Träume gut gerüstet sind.
So lästig die Ratschläge und Weisungen der Sie begleitenden Erwachsenen bisher auch gewesen sein mögen, sie boten auch Sicherheit, denn die Verantwortung für Ihr Handeln lag zu einem Teil auch immer bei uns, den Rat Gebenden.
Relativ unbekümmert konnten Sie uns Alte bisher mit konsequentem Boykott vermeintlich überflüssigen geistigen Engagements und einem fröhlichen Feuerwerk kreativen Blödsinns zeitweilig fast in den Wahnsinn treiben. Nun werden Sie Ihre Entscheidungen selbst treffen und dafür die Verantwortung tragen dürfen und müssen.
Und obwohl Sie es bisher mit uns oft recht schwer hatten, wird das vor Ihnen Liegende nicht leichter sein. Aber es wird auch schön sein, sehr schön für Sie, Ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und es gestalten zu dürfen.
Damit Ihnen dies gelingen möge, wünsche ich Ihnen
den Mut, Entscheidungen zu treffen,
die Sensibilität, zu erkennen, wer Sie liebt,
die Kraft, wieder aufzustehen, wenn Ihnen etwas misslingt,
die Klugheit, im Zweifelsfalle Hilfe anzunehmen und
die Weisheit, sich selbst und Ihre Mitmenschen in Würde leben zu lassen.
Liebe Eltern, und ich meine damit auch Sie, liebe Großeltern, Tanten, Onkel, alle, die die Heranwachsenden mit Zuwendung und Liebe bis zum heutigen Tag begleitet haben, Sie erleben mit dem heutigen Tag einen besonderen Abschluss im Leben der jungen Leute.
Auch bisher gab es zahlreiche Tage, an denen Ihnen bewusst wurde, wie besonders und liebenswert Ihre Kinder sind.
Heute stehen vor Ihnen nun siebzehn junge Männer, welche die Reife nachgewiesen haben, eine Universität besuchen zu können.
Sicher könnte man dies relativieren, das Haar in der Suppe suchen, aber ich denke, Ihre Söhne haben es verdient, dass Sie und wir alle heute einfach nur stolz auf sie sind.
Ich wünsche Ihnen, liebe Eltern, die Zeit, sich an der weiteren Entwicklung Ihrer Söhne zu freuen. Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, die jungen Leute ihren Weg gehen zu lassen. Und wenn die Verantwortung doch ein wenig zu schwer wird und leise Hilferufe Sie erreichen, wünsche ich Ihnen, dass Sie diese hören und die Kraft haben, Ihrem Kind beim Aufstehen und Weitergehen zu helfen.
Ich wünsche uns allen eine schöne Abiturfeier.






