Teamarbeit trägt Früchte – Auf dem Weg zum Biobauernhof

An der Seeschule Rangsdorf wurde schon im Schuljahr 2014/2015 dank des Vorgängerprogramms Initiative Oberschule mit dem „Grünen Lernen“ in der Natur und Umwelt begonnen. In den nachfolgenden Projekten der Initiative Sekundarstufe I wird die Bestrebung fortgesetzt. Ziel dieser Projekte war und ist es, den Schülern die Bandbreite ökologischer und nachhaltiger Berufe aufzuzeigen und ihre Schlüsselkompetenzen zu verbessern. Sie erlernen praktische Grundlagen und Fertigkeiten in der ökologischen Landwirtschaft und der nachhaltigen Nutztierhaltung. Das 16 ha große Wiesen-, Wald- und Seegrundstück bietet als Schulgelände hierfür beste Voraussetzungen. 

Wir haben die drei Oberschüler Anna-Lena (15 Jahre), Dominik (16 Jahre) und Till (14 Jahre) nach ihren Erfahrungen in der Projektarbeit befragt. 


Seit wann seid ihr beim Projekt dabei und was sind Eure Aufgaben?
Anna-Lena:
 Dominik und ich sind seit der 7. Klasse dabei. Die Seeschule sollte umweltfreundlicher werden. Der Plan war, ein Gartenhaus aus Lehmziegeln zu bauen. Und da haben wir einfach mitgemacht.
Till: Wir haben alle zusammen 3.000 Lehmziegel per Hand gemacht. Wir haben das Material zusammengemischt, in eine Form gedrückt und zusammengepresst und dann konnten wir sie rausnehmen und trocknen lassen. Das hat ziemlich lange gedauert, so 1-2 Jahre.
Dominik (lacht): Die Arbeit war ziemlich intensiv.
Till: Jetzt können wir die Lehmziegel in das Holzgerüst draußen einmauern. Die Lehmziegel dürfen nicht nass werden, sonst weichen sie auf. Deswegen müssen wir sehr gründlich arbeiten.

Warum habt ihr bei dem Projekt mitgemacht?
Till: Ich wollte was Neues lernen. Wir wussten ja auch nicht, wie man ein Lehmhaus baut. Von außen sieht man nicht, dass es ein Lehmhaus ist. Wir wollten hinter die Kulissen schauen.
Anna-Lena: Es war mal etwas Anderes. Da haben wir gedacht, mal gucken, ob uns das Spaß macht. Man hat dann auch im Team gearbeitet, was man vorher in unserer Klasse nicht so kannte. Und das hat die Teamfähigkeit gefördert. Wir haben dann festgestellt, der/diejenige kann das oder das besser.
Till: Am Ende hatten alle ziemlich viel Spaß dabei.

Was unterscheidet Projektarbeit vom Unterricht?
Till: Man kann es schwer miteinander vergleichen. Man lernt anders. Im Unterricht sitzt man da und hört zu.
Dominik: Typisch Theorie halt.
Till: Und in der Projektarbeit ist man an der frischen Luft und arbeitet mit den Händen und man weiß danach, wie es geht. Es prägt sich besser ein, als wenn man es nur theoretisch macht.
Anna-Lena: In unserer Klasse haben wir früher eher Theorie gemacht, und im Projekt haben wir Gruppenarbeit gemacht. Jetzt haben wir auch Gruppenarbeit im Unterricht. Wir sind da jetzt gut gewappnet, weil wir wissen, was da auf uns zukommt. Diese Projektarbeit hat uns bereichert. Wir wissen jetzt genau, wie wir arbeiten müssen.
Till: Bei mir war das in der Klasse so, dass wir vor der Projektarbeit Gruppenarbeit nicht gut konnten. Es kam nie etwas bei raus. Als wir mit den Lehmziegeln arbeiten mussten, mussten wir zusammenarbeiten. Jetzt können wir viel besser als Gruppe arbeiten. Da kommt auch was bei raus.
Anna-Lena: Es war interessant und abwechslungsreich, den Klassenraum nicht immer nur von drinnen zu sehen. Und zu sehen, wieviel Arbeit in sowas drinsteckt. Das ist ja auch immer wichtig. Und ich bin viel selbstbewusster geworden, weil ich manchmal auch den Ton angeben musste. Und man hat gelernt im Team zu arbeiten.

Und wie ist für Euch die Erfahrung, mit einem Externen wie Herrn Neubarth zusammenzuarbeiten?
Dominik: Es ist auf jeden Fall entspannter. Es geht nicht nur darum, leise zu sein und zuzuhören. Man kann auch mal was sagen und Vorschläge einbringen und was dazu beitragen. Mir hat es sehr gut gefallen, mit ihm zu arbeiten. 
Till: Mir auch. Man muss auch sagen, dass er auch nicht fehlerfrei ist. Und dann achtet jeder auf den anderen.
Anna-Lena: Er hat uns immer wieder etwas Neues beigebracht und uns immer wieder ermuntert und motiviert, dass wir es besser machen.
Till: Die Außenstehenden sind immer eher praktisch. Und die Lehrer sind immer ziemlich streng. Die Außenstehenden kennen uns noch nicht und testen uns erstmal aus. Und die, die verantwortungsvoll miteinander und mit den Werkzeugen umgehen, dürfen dann auch schon ziemlich viel alleine machen. 
Dominik: Ich finde Praxis viel, viel besser als Theorie.

Wisst ihr denn schon, was ihr machen wollt nach der Schule?
Anna-Lena: 
Ja, ich möchte etwas im sozialen Bereich machen, etwas mit Menschen. In der Freizeit möchte ich aber trotzdem noch draußen im Garten arbeiten, weil es einfach schön ist, in der Natur zu sein.
Till: Ich will später mal in die Landwirtschaft gehen und ökologische Agrarwissenschaften studieren.
Dominik: So hundertprozentig weiß ich noch nicht, was ich werden will, aber ich habe mich zunächst bei der Bundespolizei beworben. Mal gucken, ob ich das hinbekomme und dann werde ich weitersehen. Wenn nicht, dann auf jeden Fall was draußen, denn drinnen im Büro möchte ich nicht sitzen.

Ist der Wunsch, draußen zu arbeiten, durch das Projekt entstanden oder woher kommt das? 
Alle einstimmig: Ja, das kommt durch das Projekt.
Anna-Lena: Mich hat es inspiriert, was es so gibt. Man lernt ja nie aus. Und da hab‘ ich mir gedacht, ja, kann man weitermachen. 
Till: Ich bin ja schon viel in der Landwirtschaft, aber ich kann hier auch noch viel lernen z.B. mit dem Gartenhausbau, wie man das baut. Davor hatte ich damit noch keine Erfahrung gemacht. Aber ich weiß jetzt zu hundert Prozent, dass ich Landwirtschaft machen werde. 
Dominik: Bei mir ist es eigentlich genauso. Ich habe früher nicht so viel im Garten gearbeitet, aber seitdem ich bei dem Projekt dabei war, wurde es immer mehr. Jetzt helfe ich inzwischen auch zu Hause ordentlich im Garten mit.

Interview: Stephanie Blohm und Marcel Korth

*Die auf dieser Seite dominierenden männlichen Personenbezeichnungen dienen nur der besseren Lesbarkeit und gelten für beide Geschlechter!